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Dynamische Steuerung in Holacracy™

Wie können Organisationen die notwendige Kapazität und Geschwindigkeit entwickeln, um mit der Komplexität und Dynamik in den heutigen Märkten Schritt zu halten?

Hinter dem Begriff der Dynamischen Steuerung, wie er im Rahmen von Holacracy™ verwendet wird, verbirgt sich eine mögliche Antwort. Es geht dabei um die konsequente Nutzung der aktuell in der Organisation vorhandenen Informationen, um Prozesse und Prioritäten permanent an die gegenwärtige Situation anzupassen. Und konsequent meint hier: auf allen Ebenen und mit Hilfe von unterschiedlichen konsistent aufeinander abgestimmten Prozessen.

Auf technischer Seite mag es hier schon Lösungen geben. Aber wie steht es mit Vorschlägen dazu, dynamische Steuerung in der Organisation zu verankern, mit den beteiligten Personen als Träger und Sensoren relevanter Informationen?

Seien wir ehrlich: In vielen Organisationen findet dynamische Steuerung nicht statt. Es gibt starre Zukunftspläne und aktuelle Informationen werden nur einmal zu Beginn eines Projektes berücksichtigt, um das Projekt zu planen. Was aber, wenn sich die Anforderungen oder die Gegebenheiten rasch ändern? Was, wenn sich nicht nur in den Projekten die Anforderungen ändern, sondern auch die Organisation als Ganzes den dauernden Wandel durchläuft und es immer notwendiger wird, die Kapazitäten für Wandlungsfähigkeit in der täglichen Arbeit mit zu berücksichtigen?

Brian Robertson, der Gründer von HolacracyOne hält zur Erläuterung der dynamischen Steuerung eine passende Metapher bereit. In dem kurzen, sehr sehenswerten Video im Blog von “big think” beschreibt er die Grundzüge der dynamischen Steuerung in Holacracy™ und wie es möglich wird, die eingangs genannte Kapazität einer Organisation drastisch zu erhöhen: (Link zum Video)

Einen hörenswerten Podcast zum Thema “dynamische Steuerung” mit Schwerpunkt auf der persönlichen Arbeitsorganisation und einigen praktischen Beispielen aus dem eigenen Unternehmensalltag bietet die David Allen Company. (Link zum Podcast)

Über Holacracy™ wurde bereits in einem früheren Blogbeitrag berichtet: (Link zum Artikel: Jenseits von Linie und Matrix

Holacracy™ ist ein neues Betriebsystem für Organisationen, welches die dynamische Steuerung in die Struktur und die Prozesse eines Unternehmens einbettet. Mehr zu Holacracy™ folgt in Kürze in diesem Blog.

 

Holacracy™ is a trademark of HolacracyOne LLC

Mannschaftsgeist gewinnt Titel

Was Unternehmen von der Fußball-Nationalmannschaft lernen können

„Fußball ist ein einfaches Spiel, bei dem 22 Spieler einem Ball hinterherlaufen und ein Schiedsrichter pfeift – und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Was Englands WM-Torschützenkönig von 1986, Gary Lineker, damit meinte, war: Nicht die Mannschaft mit den besten Einzelspielern gewinnt am Ende, sondern das bessere Team – und das war eben oftmals das deutsche. Auch 2010 waren die Stars der Premier League beim 1:4 gegen die deutschen Youngster chancenlos. Was Jogi´s Mannen im Achtelfinale gezeigt haben, führt einmal mehr vor Augen, worauf es im Fußball – und nicht nur dort – ankommt: auf das perfekte Zusammenspiel. „Im Sport wie im Unternehmen zählt letztlich nur das Teamergebnis“, sagt Detlev Trapp, Gründer der Organisationsberatung cidpartners in Bonn.

Was können also Unternehmen von Nationalmannschaft und Bundestrainer lernen, um ihre Teamergebnisse zu verbessern? Das wichtigste überhaupt ist die Mannschaftsaufstellung. Alle vier Jahre wieder ist die Zusammenstellung des Kaders ein vielbeachtetes – und oft missverstandenes – Medienereignis. Denn hierbei geht es nicht darum, dass die besten (und schon gar nicht die beliebtesten) Spieler zur WM fahren. Vielmehr hat der Bundestrainer ein Konzept im Kopf, bei dem aus elf Einzelspielern eine Mannschaft wird. Zu seinem Konzept gehören dann so unterschiedliche Rollen wie die des Spielmachers, des Antreibers, des Ausputzers, des Knipsers oder des Wasserträgers. Stimmt die Mischung, kommt am Ende ein Hochleistungsteam dabei heraus. Entscheidend ist, dass alle Rollen ausgewogen besetzt sind. Mit fünf Spielmachern auf dem Platz, wäre vermutlich nach der Vorrunde Schluss gewesen. Und das gilt auf dem Platz genauso wie im Unternehmen.

Um dauerhaft hohe Leistungen erbringen zu können, gilt es möglichst alle erforderlichen Rollen auf ein Team zu verteilen. Die moderne Organisationswissenschaft hat herausgefunden, dass es deren acht gibt, die in jedem Projekt und für jede Aufgabe benötigt werden:

  1. Den Berater, der Informationen sammelt und weitergibt.
  2. Den Innovator, der neue Ideen entwickelt und mit ihnen experimentiert.
  3. Den Promotor, der neue Möglichkeiten erkundet und dem Team präsentiert.
  4. Den Entwickler, der die neuen Ideen auf ihre Brauchbarkeit bewertet und testet.
  5. Den Organisator, der darauf drängt die Ideen und Pläne in der Praxis zu verwirklichen.
  6. Den Umsetzer, der Aufgaben nach Plan erfüllt, um Leistungen zu erbringen.
  7. Den Überwacher, der das Funktionieren der Systeme kontrolliert.
  8. Den Stabilisierer, der sicherstellt, dass Qualitätsstandards und Abläufe eingehalten werden.

Entwickelt wurde das Konzept der acht zentralen Rollen von den Forschern Margerison und McCann. Ausgehend von der Analyse erfolgreicher Teams haben sie das „Team Management System“ (TMS) entwickelt. Es hilft seit mehr als 20 Jahren Teams in Unternehmen dabei, sich erfolgreich aufzustellen. Grundlegende Erkenntnis des TMS ist, dass jeder Mensch eine der acht Rollen bevorzugt übernimmt und durch seine „Vorliebe“ auch besonders gut ausübt.

Ein erfolgreiches Team, so die Erkenntnis der Organisationsforscher, benötigt jedoch alle Rollen gleichermaßen. Denn was nützen viele Umsetzer, wenn es an kreativen Teammitgliedern fehlt, die neue Ideen und Lösungen entwickeln können. Und was hat ein Team mit lauter kreativen Innovatoren von den eigenen Ideen, wenn es an Kollegen fehlt, die für die Umsetzung sorgen und Ergebnisse erzielen können. Eine Führungskraft tut also gut daran, dies entweder schon bei der Besetzung zu berücksichtigen oder sich zu überlegen, wie z. B. durch eine Kooperation mit anderen Abteilungen oder Bereichen mögliche Lücken im Team gefüllt werden können.

Zugleich ist es für Führungskräfte eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, ein Team zu führen, in denen die unterschiedlichen Rollen ausgewogen vertreten sind. Denn die komplementären Rollen neigen zu gegenseitigem Unverständnis und polarisierenden Sichtweisen. Hier helfen Modelle wie TMS dabei, die Kommunikation im Team zu erleichtern. Sie liefern einen Rahmen und Erklärungsmuster für unterschiedliche Sichtweisen und deren Nutzen. Sie können dem Team und seiner Führung helfen, frühzeitig Lücken in der eigenen Leistungsfähigkeit zu erkennen und die vorhandenen Unterschiede produktiv zu nutzen.

Was Unternehmensteams von Fußballmannschaften lernen können, hat Peter Schlötter in seinem Buch „Das Spiel ohne Ball im Unternehmen“ analysiert. Seine These: Der Fußball wurde durch das Konzept des Spiels ohne Ball revolutioniert, und das ist nichts als Kommunikation: „Jede Bewegung (eines Spielers) kann als ein Zeichen gelesen werden, das über potenzielle Bewegungen Auskunft gibt. Information – Mitteilung – Verstehen, die Grundaspekte von Kommunikation, bilden (auch hier untrennbar) die vierte Dimension im Fußball.“

Auch die Nationalmannschaft nutzt seit Klinsmanns Tagen Team bildende Maßnahmen, um Kommunikation und Zusammenspiel, und damit das gegenseitige Verständnis, zu verbessern – vom Einzelcoaching über Gruppenübungen im Hochseilgarten bis hin zu gemeinsamen Filmbesuchen (zuletzt das südafrikanische Sport- und Apartheitsdrama „Invictus – Unbezwungen“) mit anschließender Reflektion. Fakt ist: Der deutsche Trainerstab ist sehr erfolgreich darin, heterogene, leistungsfähige Mannschaften in die Turniere zu schicken, die dann auch meist relativ weit kommen. Getreu dem Motto: „Es können (und müssen) nicht alle Brasilianer sein!“

Das innovative Unternehmen der Zukunft

Interaktionskompetenz ist die maßgebliche Ressource für Open Innovation-Ansätze

Von Stefan Schwarz und Nino Tomaschek

Es ist viel über die Notwendigkeit geschrieben worden, dass Unternehmen die Fähigkeit entwickeln müssen, sich an veränderte Wettbewerbsbedingungen anpassen zu können. Doch nicht nur im Fußball gilt die Erkenntnis, dass es besser ist, das Spiel zu machen, als Ball und Gegner hinterherzulaufen. Im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung gilt es nicht nur den beschleunigten technischen Wandel mit immer kürzeren Produktlebenszyklen zu verkraften, sondern obendrein Standortnachteile gegenüber Niedrigkostenländern durch Wissensvorsprung auszugleichen. Hohe Innovationsfähigkeit gilt deshalb als der Schlüssel für Wachstum und Unternehmenserfolg im 21. Jahrhundert.

Doch wie macht man Organisationen nachhaltig innovativ, die i.d.R. schon gegen kleine Veränderungen resistent sind? Und wie kann man die Kreativität in Unternehmen dauerhaft erhöhen, wo durch (Erfolgs-)Routinen meist ein begrenzter Lösungsraum entsteht, der an vorhandenes Wissen angrenzt und dadurch radikale Innovation eher ausschließt? Dieses Problem der lokalen Suche (auch als Kompetenzfalle bezeichnet) lässt sich dadurch erfolgreich umgehen, dass Unternehmen neue Akteure in den Innovationsprozess einbeziehen. In einem interaktiven Wertschöpfungsprozess lässt sich die Kreativität breiter Mitarbeiterschichten, aber auch externer Akteure wie Kunden und Nutzer oder von Innovationsnetzwerken nutzbar machen. Hierfür hat sich der Begriff Open Innovation eingebürgert.

Web 2.0 und Social Software schaffen neue Möglichkeiten für Unternehmen, intern und extern brach­liegendes Wissen als Ressource zu erschließen und über die Bereitstellung von Kommunikations­plattformen und Werkzeugen, die Integration neuer Akteure in den Innovationsprozess zu ermög­lichen. Doch Web 2.0 funktioniert nach eigenen Gesetzen, es gelten neue Regeln für Nutzer, Technik, Geschäfte, Kommunikation und Zusammenarbeit. Web 2.0 setzt enorme kreative Potenziale frei, es wird geteilt, verknüpft, bewertet, kombiniert, ergänzt, entwickelt und vertrieben, über alle Unter­nehmens- und Systemgrenzen hinweg. Oft sogar ohne konkrete Gegenleistung für die Schöpfer neuer Ideen, wie das Paradebeispiel Open Source Software beweist. Doch was hier entsteht, gehört zunächst einmal allen, lässt sich nicht einfach für sich behalten und wegschließen. Denn wer am Potenzial des Web 2.0 teilhaben möchte, muss sich auf diese Spielregeln einlassen oder er bleibt außen vor. Dazu gehört vor allem eine neue Offenheit: das Ende des Unternehmens als in sich geschlossenes, abgeschottetes System.

Open Innovation – wir sprechen hier von Open Business Innovation, da Innovation nicht auf die reine Produktentwicklung beschränkt ist, sondern auch Geschäftsmodell, Produktionstechnik und -prozesse, Vertrieb und Services, Marketing und Design oder Unternehmenskultur betreffen kann – rührt an den Grundfesten der Unternehmen. Open Business Innovation tangiert sowohl Strategie und Organisation als auch Kultur einer Organisation. Kreativität, Ideen und Engagement zuzulassen und zu steuern sind Grundprinzipien der Open Business Innovation, die es im Unternehmen zu entwickeln gilt. Unter­nehmensführung nach 2.0 Prinzipien erfordert daher ein neues Führungsverständnis, das Herrschaftswissen ablehnt und Mitarbeiterinitiative ermutigt. Mitarbeiter und Unternehmenskultur sind denn auch nach Ansicht von 94 Prozent aller von der Unternehmensberatung McKinsey in einer weltweiten Studie befragten Top Executives die maßgeblichen Treiber von Innovation. Unternehmen benötigen deshalb Vorbild und Steuerung durch das Top Management sowie neue Strukturen, Plattformen und Technologien, um Kooperation und Kommunikation zu befördern.

Damit wird deutlich, dass Unternehmen neue Fähigkeiten entwickeln müssen, um so genanntes Crowdsourcing initiieren und stimulieren zu können. Sie müssen die richtigen Fragen stellen und ein klares Briefing formulieren können, auf dessen Basis interne und externe Innovatoren ihr spezifisches, unterschiedlich geartetes Lösungswissen einbringen und durch Rekombination neue, bessere Lösungen generieren können. Interaktionskompetenz ist demnach maßgebliche Ressource und Katalysator für Open Innovation-Ansätze. Sie gilt es innerhalb des Unternehmens zu entwickeln und möglichst breite Mitarbeiterschichten in diese Entwicklung einzubeziehen – nicht zuletzt um mit den 2.0 Prinzipien die Human Performance im Unternehmen insgesamt nachhaltig zu steigern.

Autoren:

  • Stefan Schwarz M.A., MBA ist Kommunikationswissenschaftler und Betriebswirt. Er ist Spezialist für Identitäts- und Veränderungsprozesse mit den Schwerpunkten Kultur- und Strategieentwicklung sowie Innovation bei der Unternehmensberatung cidpartners in Bonn.
    schwarz@cidpartners.de
  • Priv.-Doz. Dr. Nino Tomaschek, MAS ist Leiter des Postgraduate Centers an der Universität Wien, Visiting Professor an der Flensburgschool for Advanced Research Studies der Universität Flensburg, Gründer des Forschungs- und Beratungsinstituts sevensix-Corporate Research and Consulting in Wien und Mitbegründer der Augsburger Schule des Innovations-Coaching und Experte für Transformations- und Innovationsprozesse.
    nino.tomaschek@univie.ac.at

Willms Buhse und Sören Stamer: Enterprise 2.0, Die Kunst loszulassen

Di Kunst loszulassen - Enterprise 2.0Loslassen. Was bedeutet das im Kontext von Organisationen? Was soll losgelassen werden? Und von wem? Stamer und Buse beziehen ihren Titel auf den Kontrollverlust des Managements und der Selbstverantwortung bzw. stärkeren Einbindung der Mitarbeiter. Sie zeichnen das Bild einer offenen, sich permanent verändernden Unternehmenskultur. Es geht um neue Strukturen und um Mitwirkung. Social Software soll dabei unterstützen.

Das Buch beleuchtet das Thema Enterprise 2.0 in zwölf verschiedenen Fachbeiträgen von Autoren wie Andrew McAfee, Don Tapscott und David Weinberger. Case Studies am Beispiel von CoreMedia, Nokia, SAP und Vodafone zeigen auf, dass die Unternehmen erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Die meisten Case Studies geben einen Einblick in die vorhandene “Enterprise 2.0 Plattformen” und deren Nutzungsmöglichkeiten. Das CoreMedia Beispiel geht weiter und bezieht insbesondere die Organisationskultur sowie –struktur mit ein. Für mich war insbesondere spannend zu lesen, welche umfangreichen Veränderungen CoreMedia auf dem Weg zum Enterprise 2.0 durchgeführt hat, wie z.B.:

  • Etablierung von Teams mit Verantwortung für den gesamten Prozess
  • Einführung von Open Space Workshops
  • Trennung von fachlicher Führung und Personalentwicklung
  • Neubesetzung des Managements nach dem Fish Bowl Prinzip etc.


Offen bleibt jedoch, inwieweit die eingeführten Strukturen und Prozesse die Unternehmenskultur sowie die Marktposition von CoreMedia nachhaltig verbessert haben. Dieser Einblick sowie weitere Erfahrungen mit dem Thema “Was passiert nach der Einführung von Enterprise 2.0?” wären für mich eine interessante Weiterführung der Erkenntnisse gewesen.