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McKinseys Reports: “Networked Enterprise” und “Six ways to make Web 2.0 work”

McKinsey hat über 4 Jahre early Adopters in ihrem Umgang mit Web 2.0 Tools untersucht. Der jährliche Report zur Web 2.0 Nutzung in Unternehmen aus 2010 basiert auf der Teilnahme von 3.249 Führungskräften aus allen Branchen.

Neben anfänglicher Frustration besteht aktuell der Trend, dass sich eine wachsende Zahl von Unternehmen auf die Mehrwerte von Web 2.0 im Bereich der internen und externen Zusammenarbeit und Partizipation fokusiert. Clay Shirky (Professor an der Universität in New York) nennt die noch wenig oder noch gar nicht genutzten Partizipationspotenziale der Mitarbeiter in Unternehmen “Cognitive Surplus”. Die Mehrzahl der Unternehmen kann bereits die Mehrwerte von Web 2.0 aktiv nutzen. Die Range reicht dabei von einem effektiveren Marketing bis zu einem schnelleren Zugang der Mitarbeiter zu benötigtem Wissen (siehe auch Exhibit 1).

In dem Report werden drei Organisationstypen unterschieden, um einen höheren Business-Mehrwert durch den Einsatz von Web 2.0 Tools zu ermöglichen:

  1. Internally networked organizations
  2. Externally networked organizations
  3. Fully networked enterprises

In Bezug auf die Integration von Web 2.o Technologien haben vor allem die “Fully networked enterprises” einen größere Lernkurve hinter sich als die anderen Beiden, da sie Web 2.0 in ihre alltäglichen Arbeitsaufgaben eingebettet haben. Laut Aussage der Führungskräfte solcher Organisationen wurde dadurch ein höherer Grad der Zusammenarbeit, die Minimierung von organisationsbezogenen Barrrieren sowie die Verbesserung des Informationsflusses ermöglicht.

Wie geht’s weiter? Unternehmen werden noch stärker interne und externe Netzwerke aufbauen, um Ihre Marktposition weiter zu festigen oder auszubauen. Folgende Faktoren sind dabei zu beachten:

  • Die Web 2.0 Technologien müssen in die tagtäglichen Arbeitsabläufe der Mitarbeiter integriert werden.
  • Die Adaption und die Nutzung von Web 2.0 Tools muss weiter unterstüzt werden.
  • Veränderungen in der Organisation müssen ermöglicht und begleitet werden (z.B. transparente Informationsflüsse, Entscheidungen werden in niedrigeren hierarchischen Ebenen getroffen, Fehlertoleranz, offenen Unternehmenskultur).
  • Die Nutzung von Web 2.0 Tools nachhaltig implementieren, um einen Dialog zwischen Kunden, Partnern und Mitarbeitern auf- und auszubauen.

Für weitere Informationen:

Enterprise 2.0: ein neues Feld für die Organisationsberatung.

facebook makes work fun...Zu Begin eine Begriffsklärung: Enterprise 2.0 bedeutet für uns die kulturelle und organisatorische Veränderung durch die INTERNE Nutzung sozialer Medien und Web 2.0 Formate wie z.B. Wikis, Blogs oder Barcamps. Schlagwörter sind hier freier Wissens- und Informationsaustausch, hohe Transparenz und rege Partizipation.

Wir glauben, dass viele Unternehmen die kulturellen und organisatorischen Auswirkungen von Enterprise 2.0 Initiativen unterschätzen. So wird in einer kürzlich erschienenen Studie* deutlich, dass das Thema “Social Media” in vielen Organisationen angekommen ist, aber in den meisten Fällen rein aus der Kundenbrille betrachtet wird. Die Möglichkeiten, Wikis, Blogs, soziale Netzwerke etc. auch intern einzusetzen, werden bisher wenig genutzt. Dabei können Social Media Tools intern – z.B. beim Managen von Ideen, zur Verbreitung von Informationen oder zur Verbesserung der Zusammenarbeit – wirkungsvoll Zeit und Wege verkürzen (z.B. für interne Produktentwicklungen, Teamarbeit etc.).

Einige Beispiele auch aus deutschen Unternehmen finden, finden Sie hier: http://e20cases.cscwlab.de/lang/de/fallstudien/uebersicht/ (viele Fallstudien zur Einführung eines bestimmtes Tools, selten die gesamte Organisation betreffende Enterprise 2.0 Strategien). Trotz einiger Gegenbeispiele: das durchschnittliche deutsche Unternehmen unternimmt hinsichtlich Enterprise 2.0 bisher noch wenig oder gar nichts. Und daher gibt es bisher auch für Organisationsberater in diesem Feld kaum Projekte. Laut einer weiteren Studie ** werden meist Internet- und PR Agenturen als externe Unterstützer zu Hilfe gerufen, aber nur in den wenigsten Fällen Unternehmensberater (5%).

Unsere Hypothese ist, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. Wir glauben, dass das Thema Social Media / Enterprise 2.0 sich aktuell am Anfang des Endes einer Hype-Phase befindet. Und danach zum “Dauerbrenner” wird. Enterprise 2.0 wird nach und nach Eingang in die Organisationen finden und dort vieles verändern. Und bei dieser organisatorischen Veränderung können Organisationsberater, die neben ihrer eigentlichen Expertise auch die verschiedenen Tools und passende Wirkungsmöglichkeiten kennen, zukünftig sehr gefragt sein.

Für alle, die sich näher für das Thema interessieren, sei auf den exzellenten Blog von Andrew McAfee (http://andrewmcafee.org/) verwiesen, der seit vielen Jahren theoretisch und praktisch zu dem Thema forscht.

*„Enterprise 2.0“ von centrestage 2010, Deutschland. 72 Unternehmen aus DE, AUT, CH

**SocialMedia Governance2010: Wie Unternehmen, Staat und NGOs die Herausforderungen transparenter Kommunikation im Internet steuern, Leipzig, Wiesbaden:Universität Leipzig / Fink & Fuchs PR 2010

Web 2.0 Tools- Eine Diskussion über Pro und Contra

Web 2.0 ToolsHalten die neuen Web 2.0 Tools das, was sie versprechen? In welchen Kontexten kann man sie sinnvoll einsetzen – und in welchen nicht? Müssen und sollten Unternehmen auf den Zug aufspringen oder handelt es sich bei Web 2.0 um ein Thema, dass in ein paar Jahren wieder verschwunden sein wird?

Per Email haben sich Ilka Lütkemeier und Peter Tscherne über diese und andere Fragen Gedanken gemacht; Peter als Anwalt der Zukunft, Ilka als Advocatus Diaboli im Namen der Zögerer und Zweifler…Hier das Protokoll ihres Schlagabtauschs:

PETER

Aus meiner Sicht sind sogenannte „Social Media Tools“ wie Wikis, Blogs oder Soziale Netzwerke kein Wunderwerk, sondern einfach Weiterentwicklungen bereits seit Mitte der neunziger Jahren existierender Technologien. Das Schöne und Neue daran ist die Einfachheit der Bedienung gekoppelt mit einer hohen Bandbreite, so dass endlich auch die problemlose Nutzung aller Medienformate möglich wird.

Unternehmen können von den neuen Werkzeugen nur profitieren und ich glaube, dass man als Unternehmen nicht darum herum kommen wird, diese einzusetzen. Ohne Nutzung z.B. von Wikis oder dem Prinzip sozialer Netzwerke werden Unternehmen mittel- bis langfristig einen Wettbewerbsnachteil haben

ILKA

Das mag ja grundsätzlich und für die langfristige Entwicklung stimmen… Bisher erlebe ich viele der neuen Tools aber noch als aufgesetzt, unpraktisch und zeitraubend. Beispiel Wikis: sie werden inzwischen in vielen Unternehmen eingesetzt, aber nur von den wenigsten Mitarbeitern genutzt. Vielfach wird der konkrete Nutzen für den eigenen Arbeitsalltag nicht gesehen, Dinge müssen doppelt eingetragen und gepflegt werden – und letztlich werden von den vielen Wiki-Funktionen oft nicht mehr genutzt als die, die auch ein gemeinsames Laufwerk bieten würde…

PETER

Sicherlich ist der erwartete Erfolg bei einem  Großteil der Unternehmen, die Enterprise 2.0 Initiativen (grob gesagt: der unternehmens-interne Einsatz von Social Media Tools) gestartet haben, nicht eingetroffen. Aber warum? Ich glaube, diese Unternehmen haben das Thema zu oberflächlich betrachtet und nicht erkannt, dass Enterprise 2.0 auch mit einer organisatorischen und kulturellen Veränderung einhergeht. Solch ein Prozess muss gut aufgesetzt und begleitet werden. Und – wie bei allen Veränderungsprozessen – ist die Umsetzung ohne den Rückhalt des Top Managements und interner Botschafter sehr schwer.

Es gibt durchaus Beispiele, vor allem aus den U.S.A., die zeigen, wie ein Unternehmen erfolgreich mit den neuen Tools arbeitet (siehe dazu auch das Buch: “Enterprise 2.0″ von Andrew McAfee): große Software Unternehmen wie Serena, die statt ihres Intranets ein eigenes soziales Netzwerk nutzen. Vista Print (über viele Standorte verteilt), die sämtliche Dokumente und Informationen mithilfe eines Wiki pflegen und abrufen und ganz auf E-Mail verzichten. Oder Google mit seinen auf einer internen Ideenbörse entstandenen Prediction Markets.

Dieser Erfolg war nur möglich  -das sehe ich genau wie Du – indem bisherige Tools abgeschaltet, bzw. ersetzt wurden. Und das ist sicher auch eines der weiteren Erfolgsrezepte für Enterprise 2.0: den Mitarbeitern müssen durch die Nutzung neuer Tools Vorteile entstehen. Sonst kann man es gleich sein lassen…

ILKA

Ich bezweifle gar nicht, dass man mit den neuen Tools AUCH erfolgreich arbeiten kann… und das ist genau der Knackpunkt bei der Sache. Wenn man einerseits weiß, dass die Arbeit mit neuen Tools möglich ist und hilfreich sein kann – die Umstellung und Umgewöhnung andererseits aber einen hohen Aufwand erfordert, stellt sich doch die Frage:

Für WEN, also für welche Branchen, Fachbereiche und Zielgruppen sind die neuen Tools schon jetzt sinnvoll? In welchen Aufgabengebieten, Altersgruppen, mit welchem Vorwissen im Bereich IT, bei einer Verteilung auf einen oder mehrere Standorte …  Was sind die Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man guten Gewissens sagen kann: ja, für euch lohnt sich die Umstellung?

PETER

Vorweg: Ich glaube, dass bei keinem dieser neuen Tools ein IT Vorwissen vorhanden sein sollte. Im Gegenteil: sie sollten „kinderleicht“ zu bedienen sein. Und hier gebe ich Dir recht: noch haben viele der neuen Tools zu hohe Einstiegsbarrieren.

Du fragst, für WEN sind die neuen Tools sinnvoll? Ich glaube, Branchen und Fachbereiche spielen hier kaum eine Rolle. Für bestimmte Zielgruppen, bzw. für bestimmte Anlässe liegt der Fall anders: hier sollte genau überlegt werden, welche der Tools sich am besten eignen. Dazu einige Beispiele: Ein internes soziales Netzwerk kann z.B. optimal den Kontakt zu  „schwachen Bindungen“ unterstützen. Das kann z.B. für Unternehmen nützlich sein, die an verteilten Standorten sitzen und bei denen sich nicht alle Mitarbeiter persönlich kennen. Ein gutes Beispiel dafür ist des „Tube“ Netzwerk der Ideenschmiede IDEO. Die Mitarbeiter vernetzen sich mittels eines sozialen Netzwerks, kommunizieren darüber und rekrutieren ihre Teams über Standorte hinweg (jeder Mitarbeiter hat eine Profilseite mit seinen / ihren Skills und Schwerpunkten, den aktuellen Projekten sowie der aktuellen  Auslastung sowie einige persönliche Daten). Solch ein Tool braucht ein Unternehmen, in dem alle Mitarbeiter in einem Gebäude sitzen und sich kennen, nicht unbedingt.

Ein thematisch klar fokussierter Blog wiederum kann sowohl schwache, als auch potentielle Bindungen zu engen Bindungen machen. Indem z.B. ein Autohersteller innerhalb und außerhalb des Unternehmens genau die Leute anspricht, die sich speziell für ein bestimmtes Thema interessieren („Autos mit elektrischem Antrieb“), können hier neue Interessen- und Kundengruppen gewonnen werden – vor allem wenn die Dialog- und Verlinkungsmöglichkeiten eines Blogs genutzt werden.

Wikis können am vielfältigsten eingesetzt werden: als Projekttool für Teams (virtuell oder nicht ist eigentlich egal), als Sammlung und Dokumentation zu einem Thema oder als Interessens-Plattform für Personen mit potentieller Bindung, siehe hierzu z.B. das deutsche Kaffee-Wiki.

ILKA

Das klingt ja sehr spannend, und auch nach einigen sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für die neuen Tools. Einige Rahmenbedingungen müssen aber offensichtlich auch aus Deiner Sicht erfüllt werden.

Halten wir also fest: Wenn die relevante Zielgruppe eine gewisse Affinität zu den neuen Medien hat, neben den bisherigen Kommunikationsplattformen nach Möglichkeiten für virtuellen Austausch oder die online verfügbare Dokumentation von Wissen gesucht wird können Web 2.0 Tools eine gute Lösung sein.

Zugleich sind wir uns einig, dass die Einstiegshürden für neue Anwender bisher häufig noch zu hoch sind – hier bringt die technische Weiterentwicklung sicher bald Fortschritte, und ein Einsatz neuer Tools „nur um der Tools willen“ nicht sinnvoll ist…

Das innovative Unternehmen der Zukunft

Interaktionskompetenz ist die maßgebliche Ressource für Open Innovation-Ansätze

Von Stefan Schwarz und Nino Tomaschek

Es ist viel über die Notwendigkeit geschrieben worden, dass Unternehmen die Fähigkeit entwickeln müssen, sich an veränderte Wettbewerbsbedingungen anpassen zu können. Doch nicht nur im Fußball gilt die Erkenntnis, dass es besser ist, das Spiel zu machen, als Ball und Gegner hinterherzulaufen. Im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung gilt es nicht nur den beschleunigten technischen Wandel mit immer kürzeren Produktlebenszyklen zu verkraften, sondern obendrein Standortnachteile gegenüber Niedrigkostenländern durch Wissensvorsprung auszugleichen. Hohe Innovationsfähigkeit gilt deshalb als der Schlüssel für Wachstum und Unternehmenserfolg im 21. Jahrhundert.

Doch wie macht man Organisationen nachhaltig innovativ, die i.d.R. schon gegen kleine Veränderungen resistent sind? Und wie kann man die Kreativität in Unternehmen dauerhaft erhöhen, wo durch (Erfolgs-)Routinen meist ein begrenzter Lösungsraum entsteht, der an vorhandenes Wissen angrenzt und dadurch radikale Innovation eher ausschließt? Dieses Problem der lokalen Suche (auch als Kompetenzfalle bezeichnet) lässt sich dadurch erfolgreich umgehen, dass Unternehmen neue Akteure in den Innovationsprozess einbeziehen. In einem interaktiven Wertschöpfungsprozess lässt sich die Kreativität breiter Mitarbeiterschichten, aber auch externer Akteure wie Kunden und Nutzer oder von Innovationsnetzwerken nutzbar machen. Hierfür hat sich der Begriff Open Innovation eingebürgert.

Web 2.0 und Social Software schaffen neue Möglichkeiten für Unternehmen, intern und extern brach­liegendes Wissen als Ressource zu erschließen und über die Bereitstellung von Kommunikations­plattformen und Werkzeugen, die Integration neuer Akteure in den Innovationsprozess zu ermög­lichen. Doch Web 2.0 funktioniert nach eigenen Gesetzen, es gelten neue Regeln für Nutzer, Technik, Geschäfte, Kommunikation und Zusammenarbeit. Web 2.0 setzt enorme kreative Potenziale frei, es wird geteilt, verknüpft, bewertet, kombiniert, ergänzt, entwickelt und vertrieben, über alle Unter­nehmens- und Systemgrenzen hinweg. Oft sogar ohne konkrete Gegenleistung für die Schöpfer neuer Ideen, wie das Paradebeispiel Open Source Software beweist. Doch was hier entsteht, gehört zunächst einmal allen, lässt sich nicht einfach für sich behalten und wegschließen. Denn wer am Potenzial des Web 2.0 teilhaben möchte, muss sich auf diese Spielregeln einlassen oder er bleibt außen vor. Dazu gehört vor allem eine neue Offenheit: das Ende des Unternehmens als in sich geschlossenes, abgeschottetes System.

Open Innovation – wir sprechen hier von Open Business Innovation, da Innovation nicht auf die reine Produktentwicklung beschränkt ist, sondern auch Geschäftsmodell, Produktionstechnik und -prozesse, Vertrieb und Services, Marketing und Design oder Unternehmenskultur betreffen kann – rührt an den Grundfesten der Unternehmen. Open Business Innovation tangiert sowohl Strategie und Organisation als auch Kultur einer Organisation. Kreativität, Ideen und Engagement zuzulassen und zu steuern sind Grundprinzipien der Open Business Innovation, die es im Unternehmen zu entwickeln gilt. Unter­nehmensführung nach 2.0 Prinzipien erfordert daher ein neues Führungsverständnis, das Herrschaftswissen ablehnt und Mitarbeiterinitiative ermutigt. Mitarbeiter und Unternehmenskultur sind denn auch nach Ansicht von 94 Prozent aller von der Unternehmensberatung McKinsey in einer weltweiten Studie befragten Top Executives die maßgeblichen Treiber von Innovation. Unternehmen benötigen deshalb Vorbild und Steuerung durch das Top Management sowie neue Strukturen, Plattformen und Technologien, um Kooperation und Kommunikation zu befördern.

Damit wird deutlich, dass Unternehmen neue Fähigkeiten entwickeln müssen, um so genanntes Crowdsourcing initiieren und stimulieren zu können. Sie müssen die richtigen Fragen stellen und ein klares Briefing formulieren können, auf dessen Basis interne und externe Innovatoren ihr spezifisches, unterschiedlich geartetes Lösungswissen einbringen und durch Rekombination neue, bessere Lösungen generieren können. Interaktionskompetenz ist demnach maßgebliche Ressource und Katalysator für Open Innovation-Ansätze. Sie gilt es innerhalb des Unternehmens zu entwickeln und möglichst breite Mitarbeiterschichten in diese Entwicklung einzubeziehen – nicht zuletzt um mit den 2.0 Prinzipien die Human Performance im Unternehmen insgesamt nachhaltig zu steigern.

Autoren:

  • Stefan Schwarz M.A., MBA ist Kommunikationswissenschaftler und Betriebswirt. Er ist Spezialist für Identitäts- und Veränderungsprozesse mit den Schwerpunkten Kultur- und Strategieentwicklung sowie Innovation bei der Unternehmensberatung cidpartners in Bonn.
    schwarz@cidpartners.de
  • Priv.-Doz. Dr. Nino Tomaschek, MAS ist Leiter des Postgraduate Centers an der Universität Wien, Visiting Professor an der Flensburgschool for Advanced Research Studies der Universität Flensburg, Gründer des Forschungs- und Beratungsinstituts sevensix-Corporate Research and Consulting in Wien und Mitbegründer der Augsburger Schule des Innovations-Coaching und Experte für Transformations- und Innovationsprozesse.
    nino.tomaschek@univie.ac.at

IA Konferenz in Köln zum Thema Service.Design.Thinking.

The future is already hereDie IA Konferenz war auch in diesem Jahr (14. und 15.05.) wieder ein nettes Get to gether zwischen Agenturen, Kunden und Freelancern. Ich hatte mich besonders gefreut, das der Themenscherpunkt auf Service Design und Design Thinking gelegt wurde, da ich zu diesen Themen im Vorfeld bereits einige Bücher und Beiträge gelesen und verfolgt habe.

Diverse Vorträge beleuchteten die Bereiche von theoretischer oder praktischer Seite z.B.:

  • The future ist already here (Erin Malone, Tangible UX)
  • Design Thinking Methoden in der Praxis (Klaus Rüggenmann, aperto)
  • Prediction Markets als Bestandteil von Enterprise 2.0 (Rainer Sax, SinnerSchrader)
  • Human Interface Guidelines for Enterprise 2.0 (Jens Scholz LBi Germany)
  • Service Design und Verhaltensänderungen (Birgit Mager, KISD)

Mein Favorit am ersten Tag war Bobo Vatovec’s (bovacon, Berlin) Session unter dem Titel “Riding on the Storm: Das IA-Survival Guide”.

Bobo hat deutlich gemacht, dass in der Realität sehr oft eine Verknüpfung aus Service- und Produkt-Design stattfindet (z.B. Suppenausgabe an Bedürftige – Suppe = Produkt und Ausgabe/Bedienung = Service).

Das Thema ist “in” und eine Vielzahl von Agenturen und Beratungsfirmen setzen sich damit auseinander. 2010 werden allein 120 Konferenzen stattfinden, die sich mit “Service Design” auseinandersetzen. Doch wohin geht die Reise? Ist das Thema nur ein alter Hut in neuem Look? Irgendwie ja aber irgendwie auch nein. Sein Credo am Ende des Vortrages geht in die richtige Richtung.

Es geht um eine Verbindung von Design (Service Design, Experience Design) mit der Organisationsentwicklung, dem Veränderungsmanagement und damit den klassischen Management-Beratungs-Kompetenzen. Denn nur dann kann das Ziel: ein ganzheitlicher Blick auf die Serviceorientierung einer Organisation auch tatsächlich umgesetzt werden.

Am zweiten Tag hat mich die Closing Keynote von Arne van Oosterom (DesignThinkers, Amsterdam) “Building a Culture of Trust” inspiriert. Neben einer gelungenen Prezi-Darbietung mit vielen Filmelementen hat er deutlich gemacht, dass Service Design und Design Thinking als neues Mindset in Organisationen etabliert werden soll. Er sprach vom Mehrwert der Co-Creation und der Essenz beim Aufbau von Kundenbeziehungen, um Vertrauen zwischen Kunden, Mitarbeitern und Organisationen zu entwickeln. Nur das kann seiner Meinung nach langfristig ein USP im Wettbewerb mit der Konkurrenz sein, da auf Grund der globalen Entwicklungen im Bereich Social Media und Web 2.0 Advertisement Lügen immer schneller entlarvt werden.

Sein Fazit: “Everything is connected to everything. We need to collaborate. … There ist a space opening up for new companies with a new mindset and not only profit-driven in a short way.”

Neue Welt wir kommen…

Einige Präsentationen sind bereits bei Slideshare hochgeladen. Viel Spaß.

Willms Buhse und Sören Stamer: Enterprise 2.0, Die Kunst loszulassen

Di Kunst loszulassen - Enterprise 2.0Loslassen. Was bedeutet das im Kontext von Organisationen? Was soll losgelassen werden? Und von wem? Stamer und Buse beziehen ihren Titel auf den Kontrollverlust des Managements und der Selbstverantwortung bzw. stärkeren Einbindung der Mitarbeiter. Sie zeichnen das Bild einer offenen, sich permanent verändernden Unternehmenskultur. Es geht um neue Strukturen und um Mitwirkung. Social Software soll dabei unterstützen.

Das Buch beleuchtet das Thema Enterprise 2.0 in zwölf verschiedenen Fachbeiträgen von Autoren wie Andrew McAfee, Don Tapscott und David Weinberger. Case Studies am Beispiel von CoreMedia, Nokia, SAP und Vodafone zeigen auf, dass die Unternehmen erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Die meisten Case Studies geben einen Einblick in die vorhandene “Enterprise 2.0 Plattformen” und deren Nutzungsmöglichkeiten. Das CoreMedia Beispiel geht weiter und bezieht insbesondere die Organisationskultur sowie –struktur mit ein. Für mich war insbesondere spannend zu lesen, welche umfangreichen Veränderungen CoreMedia auf dem Weg zum Enterprise 2.0 durchgeführt hat, wie z.B.:

  • Etablierung von Teams mit Verantwortung für den gesamten Prozess
  • Einführung von Open Space Workshops
  • Trennung von fachlicher Führung und Personalentwicklung
  • Neubesetzung des Managements nach dem Fish Bowl Prinzip etc.


Offen bleibt jedoch, inwieweit die eingeführten Strukturen und Prozesse die Unternehmenskultur sowie die Marktposition von CoreMedia nachhaltig verbessert haben. Dieser Einblick sowie weitere Erfahrungen mit dem Thema “Was passiert nach der Einführung von Enterprise 2.0?” wären für mich eine interessante Weiterführung der Erkenntnisse gewesen.