Gerade zurück vom ersten Tag der Design Thinking Konferenz vom neuen mzx (Mangement Zentrum X) in Berlin.
Hier noch ganz frisch meine Eindrücke: zentrale Methoden des Design Thinking sind für uns Berater mit systemischen Hintergrund bekannt und werden mal mehr, mal weniger in der täglichen Arbeit genutzt (Co-Creation, Arbeiten in kleinen, wenn möglich interdisziplinären Teams, Prototyping, Aushalten von Ambiguität). Radikal ist sicher der Ansatz des permanenten Machens, Erstellens, des Sketchens und Scribblens – wobei das an diesem Tag 1 nicht genügend zur Anwendung kam. Klar wurde in den Diskussionen auch, dass Design Thinking nicht das Allheilmittel und überall einsetzbar ist, sondern vor allem bei “ill defined problems” und visionären Prozessen sinnvoll ist.
Bisher nicht ausreichend “geklärt” wurde die Frage: wie können neben Produkten und Services auch Organisationen oder Kulturen mit dieser Methode “designed” werden. Sicher eine der zentralen Fragen für die ca. 45 Teilnehmer, von denen wahrscheinlich die Hälfte Berater/innen mit systemischem Hintergrund sind (Nachtrag von Tag 2: ja, es waren kaum Vertreter aus Unternehmen vor Ort, vielleicht 2-3. Das wäre nächstes Mal spannend: wie funktioniert denn Design Thinking in der Praxis in Unternehmen?).
Spannend war dann noch der “Abendkuss” von Fritz Simon, eine Beobachtung des Tages aus systemtheoretischer Sicht: ja, es gibt Überschneidungen, auch die Methoden sind gut. Was ihm jedoch nicht genügend beachtet wird, ist die Selbstorganisation der Organisationen aus systemtheoretischer Sicht…ist es von daher überhaupt möglich Organisationen mit dieser Methode zu designen…?
Kurz noch das Format der Konferenz: Speed-Dating zum Kennenlernen, dann acht Kurzvorträge der acht “Experten” aus D, NL, AUT und den U.S.A. mit jeweils 2-3 Fragen aus dem Plenum. Am Nachmittag dann vier Gruppen a 12-18 Personen (!) mit jeweils drei Fragestellungen. Gefehlt hat mir ein guter Impuls, eine gute Einführung zu Beginn, sowie ein Prototyping bereits am Nachmittag. Stattdessen Diskussionen zu drei Fragen, die ich schon wieder vergessen habe, in einer für meinen Geschmack zu großen Gruppe.
Noch ein paar schöne Zitate von heute:
Professor Fritz Simon: “Praktisch funktioniert das gut, aber theoretisch…”
Professor Fred Collopy: “Look for paradoxes, not for problems. And get your hands dirty…”
Dr. Charles Petrie: “Don´t do ´Best Practices´, do something new.”
Autor unbekannt: “Design Thinking is a new story, not a new process.”
Erik Roscam Abbing: “It´s a very human approach. It deals with uncertainty. We do not know where we are going.”
Professor Peter Stephan: “Design Thinking does not make the world a better place. The U.S. military for example uses and loves Design Thinking.”
Mal gucken, was der zweite Tag bringt.

