Author Archives: Peter Tscherne

Schwarzmarkt des Wissens…

Meine Kollegin Franziska und ich sind gerade zurück von einer tollen Konferenz: “Siehe ich mache alles neu” (Off 21,5). Innovation als strategische Herausforderung in Kirche und Gesellschaft.

Vom 05. bis 06. Dezember trafen sich an der Thomas-Morus Akademie in Bensberg ca. 80 Führungskräfte der katholischen Kirche zur Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich möchte fokussieren auf das Ablauf-Design der Konferenz. Das war nämlich “Benchmark” für Grossgruppen-Veranstaltungen generell: eine super Mischung aus hochkarätigen Vorträgen, interaktiven Diskussions-Formaten und spannenden und kurzweiligen “Störungen” durch Schauspieler vom Improvisationstheater.

Je Tag gab es zwei halbstündige Präsentationen von Experten zu solchen Themen wie “Modernes Lernen” oder “Rückblick auf Innovationen in der Kirche”. So zeigte beispielsweise Schwester Edith-Maria Magar (Aufsichtsrätin eines großen katholischen Unternehmens, das verschiedene Krankenhäuser betreibt) mit ihrer sehr systemischen und managementorientierten Haltung, wie sie die Organisation innovativ und erfolgreich umgekrempelt hat – ohne dabei auf den Glauben und die Spiritualität verzichten zu müssen. Oder Professor Arnold mit seinem Vortrag “Ich lerne, also bin ich.”, der aus einer pädagogisch-didaktischen Perspektive auf das Entstehen von Innovation schaute. Und der klarmachte, dass Lernen heutzutage ganz, ganz anders funktionieren muss als wir es gelernt haben (“Latein, Griechisch: brauchen sie nicht.”, “Vorlesungen im klassischen Sinn sind unbrauchbar.”) Nach jedem Vortrag gab es Platz für Fragen sowie eine Pinnwand für spontane Meinungen und Fragen zum vorgetragenen Thema (damit auch wertvoller Input für die Vortragenden).

Als zweites Element gab es viel Platz für Interaktion zwischen den Teilnehmern. Hier möchte ich ein – für mich neues, spannendes Format – erwähnen: den “Schwarzmarkt des Wissens”. Franziska und ich waren als “Händler” zum Thema “Enterprise 2.0: Interner Einsatz von Social Media Tools in Organisationen” dabei. Insgesamt konnten die Teilnehmer zu 12 extrem unterschiedlichen Themen (“Design Thinking”, “Projektmanagement” (unser Netzwerkpartner Gunter Gruhser), “Enterprise 2.0″, “Case Study: Change aus einer Diözese” etc.) 15-minütige Slots bei Experten zu diesem Thema buchen.

Innerhalb dieser 15 Minuten konnten diejenigen, die ein Ticket ergattert hatten, dann dem Experten an einem Tisch Fragen stellen (insgesamt gab es 12 Tische, an jedem Tisch ein Experte). Alle anderen durften sich um die Tische gruppieren und zuhören, aber nicht selbst Fragen stellen. Pro Experte gab es insgesamt 6 Slots, das Ganze dauerte also 90 Minuten und bei 6 Slots x 12 Themen waren es insgesamt 72 Gespräche – ein sehr spannendes Format.

Zuletzt noch erwähnenswert waren die “Inszenierungen” der Schauspieler, die jeweils 10-25 Minuten dauerten. Die beiden Schauspieler liessen sich z.B. aus dem Publikum Genres zurufen (Krimi, Science Fiction, Western etc.) und spiegelten in 5-6 einminütigen Szenen ihre Beobachtungen der Konferenz innerhalb der jeweiligen Genres zurück – sehr, sehr unterhaltsam. Oder sie stellten gesammelte Kernaussagen der Experten in komplett andere Kontexte, indem sie eine improvisierte Geschichte erzählten, die mit den Themen der Konferenz nichts zu tun hatte und die Aussagen spontan einbetteten.

Neben dem klasse Design, das u.a. von einer unserer Netzwerkpartnerinnen Jutta Tacke sowie der Beratungsorganisation kairos (kairos war auch Veranstalter der Konferenz) konzipiert wurde, waren es aber auch die inhaltlichen Aussagen und Haltungen der Teilnehmer, die um einiges moderner und progressiver waren, als wir vorher erwartet hätten. Es hat sich gelohnt, nach Bensberg zu reisen.

Mehr Informationen zu der Konferenz und vielen weiteren spannenden Themen gibt es auf futur2 – einer Zeitschrift und Kommunikationsplattform für reformorientierte Führungs- und Fachkräfte der Kirche.

 

Lesetipp: Ramsauer “im Interview”

Heute ein Lesetipp zum Tag der Abstimmung in Stuttgart: unsere Kollegin Tanja Moschke-Becker hat auf ihrem Blog auf Basis eines Interviews mit dem Bundesverkehrsminister Ramsauer gezeigt, wie – hätte Herr Ramsauer “gelernt” und Argumente und Ideen der Gegner in seine Gedankenwelt integriert – solch ein Interview auch hätte verlaufen können. Am Beispiel von realen Zitaten zeigt sie, wie alternative Antworten hätten formuliert werden können. Ein schöner Beitrag und spannendes Gedankenspiel, wie ich finde:

LINK ZUM ARTIKEL

(http://querknüpfen.de/2011/11/lernen-sie-schon-%E2%80%93-oder-kontrollieren-sie-noch/)

x-treat No. 1 „Organisation and Design Thinking“, Tag 2

Würfel für Entscheidungen, Prototyp!Heute Vormittag ging es “endlich” los mit vier aus dem Plenum gewählten Fällen / Fragestellungen aus Organisationen. Ähnlich wie gestern fand ich auch heute die Gruppengröße (18!) ungeeignet, um schnell in Fahrt zu kommen. Es dauerte mehr als 60 Minuten, bis wir 3-4 Themen identifiziert hatten und in das Prototyping einstiegen. Ab dann war die Energie jedoch bei allen Teilnehmern sofort zu 100% da. Und tatsächlich, in nicht einmal einer halben Stunde haben wir dann in kleineren Teams viele spannende Ideen generiert. Das Thema war grob gesagt: “Was könnte es dem  Board eines Unternehmens – das sich selten einig ist -  leichter machen, Entscheidungen zu treffen?”.

Innerhalb von 10 Minuten hatten wir Dutzende gute und inspirierende Ideen zu dem Thema. Eine Idee haben wir dann ausgewählt und einen Prototyp entworfen, der auch auf dem Bild zu sehen ist: einen Würfel, der DANN als Entscheidungshilfe eingesetzt wird, falls sich das Board des Unternehmens innerhalb einer vorgegebenen Zeit NICHT einigt. Die sechs Seiten des Würfels zeigen die sechs Gesichter der Boardmitglieder: wer “gewürfelt” wird, entscheidet! Unsere Hypothese: der Würfel sorgt dafür, dass das Board in den meisten Fällen innerhalb der vorgegebenen Zeit zu einer gemeinsam getragenen Entscheidung kommt.

Die Frage war nur: wären wir nicht mit anderen Kreativmethoden zum ähnlichen Ergebnis gekommen…?Am Nachmittag gab es dann noch jeweils 3 Fragen an die acht DT-Experten sowie Feedbackgrupppen. Zwischen den DT Experten am Podium wurde noch heiss diskutiert, ob das Design Thinking einer theoretischen Basis wirklich bedarf oder nicht.  Spannend war da wieder die Beobachtung von Fritz Simon, der mit systemischer Brille auf den Tag schaute: “Toll in der Praxis, gute Ergebnisse. Aber es fehlt eine gemeinsame Diskursbasis für die Experten. Und daher wird es voraussichtlich viele, verschiedene Schulen geben.”

Vom Format her hätte die Veranstaltung für meinen Geschmack noch offener, kreativer, auf das “Machen” fokussiert sein können, es gab auch zu wenig Materialien ausser typisches Seminar-Material um richtig prototypen zu können. D.h. im Kern: für meinen Geschmack wurde Design Thinking zu wenig erlebbar gemacht. Aber: auch die Veranstaltung war ja ein Prototyp, von daher…

x-treat No. 1 „Organisation and Design Thinking“, Tag 1

Gerade zurück vom ersten Tag der Design Thinking Konferenz vom neuen mzx (Mangement Zentrum X) in Berlin.

Hier noch ganz frisch meine Eindrücke: zentrale Methoden des Design Thinking sind für uns Berater mit systemischen Hintergrund bekannt und werden mal mehr, mal weniger in der täglichen Arbeit genutzt (Co-Creation, Arbeiten in kleinen, wenn möglich interdisziplinären Teams, Prototyping, Aushalten von Ambiguität). Radikal ist sicher der Ansatz des permanenten Machens, Erstellens, des Sketchens und Scribblens – wobei das an diesem Tag 1 nicht genügend zur Anwendung kam. Klar wurde in den Diskussionen auch, dass Design Thinking nicht das Allheilmittel und überall einsetzbar ist, sondern vor allem bei “ill defined problems” und visionären Prozessen sinnvoll ist.

Bisher nicht ausreichend “geklärt” wurde die Frage: wie können neben Produkten und Services auch Organisationen oder Kulturen mit dieser Methode “designed” werden. Sicher eine der zentralen Fragen für die ca. 45 Teilnehmer, von denen wahrscheinlich die Hälfte Berater/innen mit systemischem Hintergrund sind (Nachtrag von Tag 2: ja, es waren kaum Vertreter aus Unternehmen vor Ort, vielleicht 2-3. Das wäre nächstes Mal spannend: wie funktioniert denn Design Thinking in der Praxis in Unternehmen?).

Spannend war dann noch der “Abendkuss” von Fritz Simon, eine Beobachtung des Tages aus systemtheoretischer Sicht: ja, es gibt Überschneidungen, auch die Methoden sind gut. Was ihm jedoch nicht genügend beachtet wird, ist die Selbstorganisation der Organisationen aus systemtheoretischer Sicht…ist es von daher überhaupt möglich Organisationen mit dieser Methode zu designen…?

Kurz noch das Format der Konferenz: Speed-Dating zum Kennenlernen, dann acht Kurzvorträge der acht “Experten” aus D, NL, AUT und den U.S.A. mit jeweils 2-3 Fragen aus dem Plenum. Am Nachmittag dann vier Gruppen a 12-18 Personen (!) mit jeweils drei Fragestellungen. Gefehlt hat mir ein guter Impuls, eine gute Einführung zu Beginn, sowie ein Prototyping bereits am Nachmittag. Stattdessen Diskussionen zu drei Fragen, die ich schon wieder vergessen habe, in einer für meinen Geschmack zu großen Gruppe.

Noch ein paar schöne Zitate von heute:

Professor Fritz Simon: “Praktisch funktioniert das gut, aber theoretisch…”

Professor Fred Collopy: “Look for paradoxes, not for problems. And get your hands dirty…”

Dr. Charles Petrie: “Don´t do ´Best Practices´, do something new.”

Autor unbekannt: “Design Thinking is a new story, not a new process.”

Erik Roscam Abbing: “It´s a very human approach. It deals with uncertainty. We do not know where we are going.”

Professor Peter Stephan: “Design Thinking does not make the world a better place. The U.S. military for example uses and loves Design Thinking.”

Mal gucken, was der zweite Tag bringt.

Ungebändigte Freude

Double RainbowEin gesundes, erfolgreiches, spannendes Jahr wünschen wir allen Lesern und Leserinnen!

Zum Einstieg ins Neue Jahr ein schönes, berührendes Video: “Double Rainbow”, ungebändigte Freude und Lust am Leben pur:

http://www.youtube.com/watch?v=OQSNhk5ICTI

Viel Spaß!

Enterprise 2.0: ein neues Feld für die Organisationsberatung.

facebook makes work fun...Zu Begin eine Begriffsklärung: Enterprise 2.0 bedeutet für uns die kulturelle und organisatorische Veränderung durch die INTERNE Nutzung sozialer Medien und Web 2.0 Formate wie z.B. Wikis, Blogs oder Barcamps. Schlagwörter sind hier freier Wissens- und Informationsaustausch, hohe Transparenz und rege Partizipation.

Wir glauben, dass viele Unternehmen die kulturellen und organisatorischen Auswirkungen von Enterprise 2.0 Initiativen unterschätzen. So wird in einer kürzlich erschienenen Studie* deutlich, dass das Thema “Social Media” in vielen Organisationen angekommen ist, aber in den meisten Fällen rein aus der Kundenbrille betrachtet wird. Die Möglichkeiten, Wikis, Blogs, soziale Netzwerke etc. auch intern einzusetzen, werden bisher wenig genutzt. Dabei können Social Media Tools intern – z.B. beim Managen von Ideen, zur Verbreitung von Informationen oder zur Verbesserung der Zusammenarbeit – wirkungsvoll Zeit und Wege verkürzen (z.B. für interne Produktentwicklungen, Teamarbeit etc.).

Einige Beispiele auch aus deutschen Unternehmen finden, finden Sie hier: http://e20cases.cscwlab.de/lang/de/fallstudien/uebersicht/ (viele Fallstudien zur Einführung eines bestimmtes Tools, selten die gesamte Organisation betreffende Enterprise 2.0 Strategien). Trotz einiger Gegenbeispiele: das durchschnittliche deutsche Unternehmen unternimmt hinsichtlich Enterprise 2.0 bisher noch wenig oder gar nichts. Und daher gibt es bisher auch für Organisationsberater in diesem Feld kaum Projekte. Laut einer weiteren Studie ** werden meist Internet- und PR Agenturen als externe Unterstützer zu Hilfe gerufen, aber nur in den wenigsten Fällen Unternehmensberater (5%).

Unsere Hypothese ist, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. Wir glauben, dass das Thema Social Media / Enterprise 2.0 sich aktuell am Anfang des Endes einer Hype-Phase befindet. Und danach zum “Dauerbrenner” wird. Enterprise 2.0 wird nach und nach Eingang in die Organisationen finden und dort vieles verändern. Und bei dieser organisatorischen Veränderung können Organisationsberater, die neben ihrer eigentlichen Expertise auch die verschiedenen Tools und passende Wirkungsmöglichkeiten kennen, zukünftig sehr gefragt sein.

Für alle, die sich näher für das Thema interessieren, sei auf den exzellenten Blog von Andrew McAfee (http://andrewmcafee.org/) verwiesen, der seit vielen Jahren theoretisch und praktisch zu dem Thema forscht.

*„Enterprise 2.0“ von centrestage 2010, Deutschland. 72 Unternehmen aus DE, AUT, CH

**SocialMedia Governance2010: Wie Unternehmen, Staat und NGOs die Herausforderungen transparenter Kommunikation im Internet steuern, Leipzig, Wiesbaden:Universität Leipzig / Fink & Fuchs PR 2010

Strategische Kommunikation bei IT Projekten

“Die Verhandlungen sind abgeschlossen und die neue IT-Software bestellt. Jetzt geht es darum, die Software, sei es ein CRM-Tool für den gesamten Vertrieb oder eine neue Anwendung für Tausend Call-Center Angestellte, im Unternehmen einzuführen. Ein Projektteam kümmert sich um die Installation des Systems, Handbücher werden an die Anwender verteilt und Schulungen durchgeführt. Die Prozesse sollen mit Hilfe der Software natürlich vereinfacht und Kosten reduziert werden. Und trotzdem: obwohl die neue Software viel besser als die alte ist, klappt es irgendwie nicht. Viele der Anwender beklagen sich über das neue System und die Organisation arbeitet nach einem halben Jahr nicht wesentlich effizienter als vorher. Was ist passiert?”.

Das habe ich in einem Artikel vor 5 Jahren geschrieben.  Wenn man sich heutige IT Projekte anschaut, scheint sich die Situation nicht wesentlich gebessert zu haben. Aus meiner Sicht sind es nach wie vor folgende Punkte, die bei Veränderungen durch IT Projekte oder bei der Einführung neuer Software in Organisationen nicht genügend berücksichtigt werden:

  • Die Verknüpfung und der Beitrag zur Gesamtstrategie ist nicht klar oder nicht ausreichend kommuniziert
  • Die Voraussetzungen für die Anpassung der Organisation und ihrer Prozesse werden nicht geschaffen
  • Es fehlt die frühzeitige Involvierung der wesentlichen Stakeholder, auch des Top-Managements
  • Die interne Kommunikation beschränkt sich auf Ergebnisse und besitzt keine Feedbackschleifen
  • Eine ausreichende Vorbereitung der Anwender durch Trainingsmaßnahmen fehlt

IT Implementierungen sorgen in der Regel für Unruhe in Unternehmen und benötigen daher zum einen viel Erklärung und Training, zum anderen müssen Fachthemen in einer für alle verständlichen Sprache kommuniziert und Technik erklärbar gemacht werden. Daher benötigen auch und gerade IT Projekte eine dem Projekt angepasste Kommunikationsstrategie.  Für eine erfolgreiche Implementierung von IT Systemen reicht reine Informationsvermittlung nicht aus, hier ist aktive und dialogorientierte Kommunikation gefragt. Nur über Dialog, Feedback und Raum für inhaltliche Reflektion kann es gelingen, die späteren Nutzer zu überzeugen.

Entscheidend ist es, die verschiedenen Werkzeuge der strategischen Kommunikation miteinander zu verzahnen und eine auf den Prozess abgestimmte Architektur zu konzipieren. Ist die Einbindung des Top Management sichergestellt? Wie können den zukünftigen Anwendern Sinn und Zweck der neuen IT vermittelt werden? Sollen die zukünftigen Anwender vor der Einführung nach ihren Ideen und Wünschen befragt werden? Müssen Trainings und Schulungen geplant werden? Ist es vielleicht notwendig, ein eigenes Change Team für das Projekt aufzustellen?

Strategische Kommunikation ist eine integrale Voraussetzung für den Erfolg von IT Projekten. Richtig geplant und angewendet, kann die strategische Planung von Kommunikation bei großen IT Projekten nicht nur Geld und Zeit sparen, sondern die Mitarbeiter und späteren Nutzer von Betroffenen zu Beteiligten machen. Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?

Web 2.0 Tools- Eine Diskussion über Pro und Contra

Web 2.0 ToolsHalten die neuen Web 2.0 Tools das, was sie versprechen? In welchen Kontexten kann man sie sinnvoll einsetzen – und in welchen nicht? Müssen und sollten Unternehmen auf den Zug aufspringen oder handelt es sich bei Web 2.0 um ein Thema, dass in ein paar Jahren wieder verschwunden sein wird?

Per Email haben sich Ilka Lütkemeier und Peter Tscherne über diese und andere Fragen Gedanken gemacht; Peter als Anwalt der Zukunft, Ilka als Advocatus Diaboli im Namen der Zögerer und Zweifler…Hier das Protokoll ihres Schlagabtauschs:

PETER

Aus meiner Sicht sind sogenannte „Social Media Tools“ wie Wikis, Blogs oder Soziale Netzwerke kein Wunderwerk, sondern einfach Weiterentwicklungen bereits seit Mitte der neunziger Jahren existierender Technologien. Das Schöne und Neue daran ist die Einfachheit der Bedienung gekoppelt mit einer hohen Bandbreite, so dass endlich auch die problemlose Nutzung aller Medienformate möglich wird.

Unternehmen können von den neuen Werkzeugen nur profitieren und ich glaube, dass man als Unternehmen nicht darum herum kommen wird, diese einzusetzen. Ohne Nutzung z.B. von Wikis oder dem Prinzip sozialer Netzwerke werden Unternehmen mittel- bis langfristig einen Wettbewerbsnachteil haben

ILKA

Das mag ja grundsätzlich und für die langfristige Entwicklung stimmen… Bisher erlebe ich viele der neuen Tools aber noch als aufgesetzt, unpraktisch und zeitraubend. Beispiel Wikis: sie werden inzwischen in vielen Unternehmen eingesetzt, aber nur von den wenigsten Mitarbeitern genutzt. Vielfach wird der konkrete Nutzen für den eigenen Arbeitsalltag nicht gesehen, Dinge müssen doppelt eingetragen und gepflegt werden – und letztlich werden von den vielen Wiki-Funktionen oft nicht mehr genutzt als die, die auch ein gemeinsames Laufwerk bieten würde…

PETER

Sicherlich ist der erwartete Erfolg bei einem  Großteil der Unternehmen, die Enterprise 2.0 Initiativen (grob gesagt: der unternehmens-interne Einsatz von Social Media Tools) gestartet haben, nicht eingetroffen. Aber warum? Ich glaube, diese Unternehmen haben das Thema zu oberflächlich betrachtet und nicht erkannt, dass Enterprise 2.0 auch mit einer organisatorischen und kulturellen Veränderung einhergeht. Solch ein Prozess muss gut aufgesetzt und begleitet werden. Und – wie bei allen Veränderungsprozessen – ist die Umsetzung ohne den Rückhalt des Top Managements und interner Botschafter sehr schwer.

Es gibt durchaus Beispiele, vor allem aus den U.S.A., die zeigen, wie ein Unternehmen erfolgreich mit den neuen Tools arbeitet (siehe dazu auch das Buch: “Enterprise 2.0″ von Andrew McAfee): große Software Unternehmen wie Serena, die statt ihres Intranets ein eigenes soziales Netzwerk nutzen. Vista Print (über viele Standorte verteilt), die sämtliche Dokumente und Informationen mithilfe eines Wiki pflegen und abrufen und ganz auf E-Mail verzichten. Oder Google mit seinen auf einer internen Ideenbörse entstandenen Prediction Markets.

Dieser Erfolg war nur möglich  -das sehe ich genau wie Du – indem bisherige Tools abgeschaltet, bzw. ersetzt wurden. Und das ist sicher auch eines der weiteren Erfolgsrezepte für Enterprise 2.0: den Mitarbeitern müssen durch die Nutzung neuer Tools Vorteile entstehen. Sonst kann man es gleich sein lassen…

ILKA

Ich bezweifle gar nicht, dass man mit den neuen Tools AUCH erfolgreich arbeiten kann… und das ist genau der Knackpunkt bei der Sache. Wenn man einerseits weiß, dass die Arbeit mit neuen Tools möglich ist und hilfreich sein kann – die Umstellung und Umgewöhnung andererseits aber einen hohen Aufwand erfordert, stellt sich doch die Frage:

Für WEN, also für welche Branchen, Fachbereiche und Zielgruppen sind die neuen Tools schon jetzt sinnvoll? In welchen Aufgabengebieten, Altersgruppen, mit welchem Vorwissen im Bereich IT, bei einer Verteilung auf einen oder mehrere Standorte …  Was sind die Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man guten Gewissens sagen kann: ja, für euch lohnt sich die Umstellung?

PETER

Vorweg: Ich glaube, dass bei keinem dieser neuen Tools ein IT Vorwissen vorhanden sein sollte. Im Gegenteil: sie sollten „kinderleicht“ zu bedienen sein. Und hier gebe ich Dir recht: noch haben viele der neuen Tools zu hohe Einstiegsbarrieren.

Du fragst, für WEN sind die neuen Tools sinnvoll? Ich glaube, Branchen und Fachbereiche spielen hier kaum eine Rolle. Für bestimmte Zielgruppen, bzw. für bestimmte Anlässe liegt der Fall anders: hier sollte genau überlegt werden, welche der Tools sich am besten eignen. Dazu einige Beispiele: Ein internes soziales Netzwerk kann z.B. optimal den Kontakt zu  „schwachen Bindungen“ unterstützen. Das kann z.B. für Unternehmen nützlich sein, die an verteilten Standorten sitzen und bei denen sich nicht alle Mitarbeiter persönlich kennen. Ein gutes Beispiel dafür ist des „Tube“ Netzwerk der Ideenschmiede IDEO. Die Mitarbeiter vernetzen sich mittels eines sozialen Netzwerks, kommunizieren darüber und rekrutieren ihre Teams über Standorte hinweg (jeder Mitarbeiter hat eine Profilseite mit seinen / ihren Skills und Schwerpunkten, den aktuellen Projekten sowie der aktuellen  Auslastung sowie einige persönliche Daten). Solch ein Tool braucht ein Unternehmen, in dem alle Mitarbeiter in einem Gebäude sitzen und sich kennen, nicht unbedingt.

Ein thematisch klar fokussierter Blog wiederum kann sowohl schwache, als auch potentielle Bindungen zu engen Bindungen machen. Indem z.B. ein Autohersteller innerhalb und außerhalb des Unternehmens genau die Leute anspricht, die sich speziell für ein bestimmtes Thema interessieren („Autos mit elektrischem Antrieb“), können hier neue Interessen- und Kundengruppen gewonnen werden – vor allem wenn die Dialog- und Verlinkungsmöglichkeiten eines Blogs genutzt werden.

Wikis können am vielfältigsten eingesetzt werden: als Projekttool für Teams (virtuell oder nicht ist eigentlich egal), als Sammlung und Dokumentation zu einem Thema oder als Interessens-Plattform für Personen mit potentieller Bindung, siehe hierzu z.B. das deutsche Kaffee-Wiki.

ILKA

Das klingt ja sehr spannend, und auch nach einigen sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für die neuen Tools. Einige Rahmenbedingungen müssen aber offensichtlich auch aus Deiner Sicht erfüllt werden.

Halten wir also fest: Wenn die relevante Zielgruppe eine gewisse Affinität zu den neuen Medien hat, neben den bisherigen Kommunikationsplattformen nach Möglichkeiten für virtuellen Austausch oder die online verfügbare Dokumentation von Wissen gesucht wird können Web 2.0 Tools eine gute Lösung sein.

Zugleich sind wir uns einig, dass die Einstiegshürden für neue Anwender bisher häufig noch zu hoch sind – hier bringt die technische Weiterentwicklung sicher bald Fortschritte, und ein Einsatz neuer Tools „nur um der Tools willen“ nicht sinnvoll ist…

Von der Stange versus Maßgeschneidert

Fahrrad MaßgeschneidertBei der Arbeit an diesem Blog sind wir auf ein Thema gestossen, das uns auch in unserer Arbeit beschäftigt: Was kann und soll man von der Stange kaufen, bzw. anbieten? Und was sollte man individuell anfertigen oder anfertigen lassen? Einen Blog kann man tatsächlich kostenlos in wenigen Minuten einrichten. Will man jedoch etwas wirklich Schönes und Individuelles, kommt man um Detail-Arbeit (in diesem, unserem Fall mussten wir in den Code einsteigen und manuell Anpassungen vornehmen) nicht herum. Aus Minuten werden Stunden und sogar Tage.

Ähnlich ist es bei der Beratung und bei Trainings oder Workshops. Einige von uns Netzwerkpartnern arbeiten z.B. als Trainer für Unternehmen, die Standard-Trainings-Produkte verkaufen. Jedes Training z.B. zu Themen wie “Konfliktmanagement”, “Team-Führung” oder “Projektmanagement” läuft gleich ab. Egal in welchem Unternehmen, egal in welchem Land. Das hat natürlich für die Trainer seine Vorteile, aber wird nie den Effekt erreichen, den maßgeschneiderte Trainings haben. Bei cidpartners investieren wir oft viele Tage in die Vorbereitung von Workshops und Trainings und erarbeiten gemeinsam mit den Auftraggebern das konkrete Design, befragen in vielen Fällen die Teilnehmer vorab, um optimal sinnvolle Ziele und passende Inhalte definieren zu können. Für uns bedeutet das auch, dass wir den Ablauf immer wieder neu gestalten müssen (oder besser: dürfen) und dadurch auch gut in Bewegung bleiben.

Kreativitätstechniken / Prototyping

Alanus Hochschule Innenhof

Alanus Hochschule Innenhof

Die letzten beiden Tage habe ich mit einem Team eines Kunden in der wunderbaren Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn verbracht. Trainiert habe ich Kreativitätstechniken und neue Methoden der Gruppenarbeit. Ort war eines der Maler-Ateliers der Hochschule: sofort beim Betreten des Raumes wurde allen klar, dass dies tatsächlich räumliches Neuland war : ein sehr hoher, lichter Raum; der gesamte Boden und alle Stühle/Tische voll mit Farbklecksen, unzählige Staffeln im Raum etc.

Meine Hoffnung war dass der ausgewählte Ort die Kreativität der Teilnehmer auch beschleunigt oder zumindest unterstützt. Und so war es auch. Neben spielerischer Methodenarbeit war es dann vor allem der letzte Nachmittag, an dem die Teilnehmer ihre eigenen Ideen als Prototypen gebastelt, bzw. inszeniert haben. Innerhalb kürzester Zeit hatten die beiden Teams ihre Ideen so anschaulich und erzählerisch aufbereitet, dass der Verkauf an die internen Kunden auf einmal halb so schwer erschien. Es war schön zu sehen, wie das Prototyping zur  Schärfung der Ideen beitrug und gleichzeitig den Beteiligen eine Menge Energie gab.