Meine Kollegin Franziska und ich sind gerade zurück von einer tollen Konferenz: “Siehe ich mache alles neu” (Off 21,5). Innovation als strategische Herausforderung in Kirche und Gesellschaft.
Vom 05. bis 06. Dezember trafen sich an der Thomas-Morus Akademie in Bensberg ca. 80 Führungskräfte der katholischen Kirche zur Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich möchte fokussieren auf das Ablauf-Design der Konferenz. Das war nämlich “Benchmark” für Grossgruppen-Veranstaltungen generell: eine super Mischung aus hochkarätigen Vorträgen, interaktiven Diskussions-Formaten und spannenden und kurzweiligen “Störungen” durch Schauspieler vom Improvisationstheater.
Je Tag gab es zwei halbstündige Präsentationen von Experten zu solchen Themen wie “Modernes Lernen” oder “Rückblick auf Innovationen in der Kirche”. So zeigte beispielsweise Schwester Edith-Maria Magar (Aufsichtsrätin eines großen katholischen Unternehmens, das verschiedene Krankenhäuser betreibt) mit ihrer sehr systemischen und managementorientierten Haltung, wie sie die Organisation innovativ und erfolgreich umgekrempelt hat – ohne dabei auf den Glauben und die Spiritualität verzichten zu müssen. Oder Professor Arnold mit seinem Vortrag “Ich lerne, also bin ich.”, der aus einer pädagogisch-didaktischen Perspektive auf das Entstehen von Innovation schaute. Und der klarmachte, dass Lernen heutzutage ganz, ganz anders funktionieren muss als wir es gelernt haben (“Latein, Griechisch: brauchen sie nicht.”, “Vorlesungen im klassischen Sinn sind unbrauchbar.”) Nach jedem Vortrag gab es Platz für Fragen sowie eine Pinnwand für spontane Meinungen und Fragen zum vorgetragenen Thema (damit auch wertvoller Input für die Vortragenden).
Als zweites Element gab es viel Platz für Interaktion zwischen den Teilnehmern. Hier möchte ich ein – für mich neues, spannendes Format – erwähnen: den “Schwarzmarkt des Wissens”. Franziska und ich waren als “Händler” zum Thema “Enterprise 2.0: Interner Einsatz von Social Media Tools in Organisationen” dabei. Insgesamt konnten die Teilnehmer zu 12 extrem unterschiedlichen Themen (“Design Thinking”, “Projektmanagement” (unser Netzwerkpartner Gunter Gruhser), “Enterprise 2.0″, “Case Study: Change aus einer Diözese” etc.) 15-minütige Slots bei Experten zu diesem Thema buchen.
Innerhalb dieser 15 Minuten konnten diejenigen, die ein Ticket ergattert hatten, dann dem Experten an einem Tisch Fragen stellen (insgesamt gab es 12 Tische, an jedem Tisch ein Experte). Alle anderen durften sich um die Tische gruppieren und zuhören, aber nicht selbst Fragen stellen. Pro Experte gab es insgesamt 6 Slots, das Ganze dauerte also 90 Minuten und bei 6 Slots x 12 Themen waren es insgesamt 72 Gespräche – ein sehr spannendes Format.
Zuletzt noch erwähnenswert waren die “Inszenierungen” der Schauspieler, die jeweils 10-25 Minuten dauerten. Die beiden Schauspieler liessen sich z.B. aus dem Publikum Genres zurufen (Krimi, Science Fiction, Western etc.) und spiegelten in 5-6 einminütigen Szenen ihre Beobachtungen der Konferenz innerhalb der jeweiligen Genres zurück – sehr, sehr unterhaltsam. Oder sie stellten gesammelte Kernaussagen der Experten in komplett andere Kontexte, indem sie eine improvisierte Geschichte erzählten, die mit den Themen der Konferenz nichts zu tun hatte und die Aussagen spontan einbetteten.
Neben dem klasse Design, das u.a. von einer unserer Netzwerkpartnerinnen Jutta Tacke sowie der Beratungsorganisation kairos (kairos war auch Veranstalter der Konferenz) konzipiert wurde, waren es aber auch die inhaltlichen Aussagen und Haltungen der Teilnehmer, die um einiges moderner und progressiver waren, als wir vorher erwartet hätten. Es hat sich gelohnt, nach Bensberg zu reisen.
Mehr Informationen zu der Konferenz und vielen weiteren spannenden Themen gibt es auf futur2 – einer Zeitschrift und Kommunikationsplattform für reformorientierte Führungs- und Fachkräfte der Kirche.







