Author Archives: Sebastian Luge

Was Unternehmen vom Fernsehen lernen können…

Zurzeit sorgt ein Fernsehformat für viel Aufmerksamkeit und beschert den Sendern hohe Quoten. Einiges davon lässt sich auf Unternehmen und deren Kultur übertragen: Wertschätzung von Leistung, positives Feedback, Lob, Weiterentwicklung und dass man um die besten Bewerber kämpfen muss.

Hört sich nach einem Führungskräfteseminar an? Ist es nicht. Gemeint ist die Casting-Show „The Voice of Germany“ die derzeit von Pro7 und Sat 1 ausgestrahlt wird.

Was unterscheidet diese Casting-Show von den bisherigen und warum erzielt sie so hohe Quoten? Was löst diese Begeisterung aus?

Um das zu betrachten gehen wir einen Schritt zurück. Die bisherigen Casting-Formate brachten im Endresultat zwar auch sehr gute Künstler zum Vorschein, die Zeit davor drehte es sich aber hauptsächlich darum, Fehler anzukreiden und die Konkurrenten über ihre Schwächen zu vergleichen. Oftmals wurden weniger gute  Bewerber verspottet – und damit gute Quote gemacht.

„The Voice of Germany“ ist anders. Obgleich des hohen künstlerischen Niveaus werden die doch vorhandenen kleinen Fehler nicht verspottet. Die herausragenden Leistungen werden gelobt und mit den Bewerbern, selbst denen die ausscheiden, wird sehr wertschätzend umgegangen. Zwar müssen sich die Bewerber einer Jury stellen, aber auch hier ist der Mechanismus anders als in den übrigen Castingformaten:

Die Jurymitglieder (gleichzeitig die späteren Coaches der Sänger)  sitzen zunächst mit dem Rücken zu den Sängern. Einziges Entscheidungskriterium ist die gehörte Stimme der Kandidaten. Gefällt eine Stimme, dann betätigen die Juroren einzeln einen Buzzer und ihr  Stuhl dreht sich, so dass der Juror den Sänger zum ersten Mal sieht. Dreht sich nur ein Juror um, so ist der Sänger auf ihn als Coach festgelegt. Drehen sich mehrere Juroren um, so – und das ist neu – stehen die Juroren untereinander im Wettbewerb um den Kandidaten. Die Argumente folgen: Warum will ich den Kandidaten? Was biete ich ihm oder ihr? Was kann ich für den Kandidaten tun, wie kann ich bei seiner Entwicklung helfen?

Warum erzielt dieses Format nun so hohe Quoten? Was ist daran für den Zuschauer interessant? Meine These ist, dass es neben der guten Musik noch etwas mehr gibt: Viele Zuschauer wünschen sich einen solchen Umgang auch im Arbeitsumfeld. Sie wünschen, dass Leistungen anerkannt, und Entwicklungsfelder gemeinsam mit Kollegen und Vorgesetzten angepackt werden.

Was Unternehmen nun daraus lernen können ist meiner Meinung nach sehr klar: Weniger nur auf Fehler herumreiten, Mitarbeitern mehr wertschätzend begegnen und zeigen, dass man die Mitarbeiter und deren einzigartige Qualitäten sehr schätzt.

Alles in allem zeigt diese Casting-Show mit hochkarätiger Jurybesetzung (Nena, Xavier Naidoo, The Boss Hoss und Rea Garvey) deutlich, wie wichtig der Umgang mit Menschen ist, auch im Sinne einer Unternehmenskultur.

Wie sich Unternehmenskultur messen und entwickeln lässt ist daher eine interessante Frage die wir uns bei cidpartners stellen – und immer wieder interessante Antworten darauf finden, mit guten Konzepten, Methoden und Tools.

Sie wollen mehr wissen? Sie wollen wissen, was “The Voice of Germany” mit dem „War for Talents“ und mit „Employer Branding“ zu tun hat? Darüber schreibe ich kommende Woche im nächsten Beitrag.

Ich freue mich auf ihre Kommentare!

 

 

Virtuelle Arbeit mit Großgruppen – eine Zukunftsperspektive?

Virtuelle Großgruppenarbeit

Virtuelle Großgruppenarbeit

Wie lassen sich technisch unterstützte Formen der Großgruppenarbeit vernünftig nutzen?

Dieser Frage widmete sich das 37. Rheinische Forum für Großgruppenarbeit am vergangenen Freitag in Bad Honef. Gastgeber Peter Wattler-Kugler und Referent Dr. Peter Tandler führten die Teilnehmenden Berater, Trainer und Coaches in die Thematik ein.

In der heutigen Unternehmenswelt gehören Telefon- und Videokonferenzen längst zum Standardrepertoir der Zusammenarbeit. In vielen Unternehmen wächst darüber hinaus zunehmend das Bedürfnis, große Kreise von über 20 Personen zusammenzubringen, um Herausforderungen zu diskutieren, Entscheidungen unter Berücksichtigung der Perspektiven der Beteiligten zu treffen und zukunftsweisende Lösungen zu entwickeln. Dies findet – wenn gut konzipiert – als geplante Präsenzveranstaltung unter Einbindung eines Moderators statt.

Warum nicht beide Welten verbinden? Die Fülle an Web 2.0 Tools , die sich alle als das beste zur Zusammenarbeit über den ganzen Globus verkaufen, ist schier unendlich. Umfassende Funktionen bieten alle und die Wirtschaftlichkeit spricht für solche Lösungen: Wegfall von Reisekosten, weniger Vorlaufzeit bei der Planung, direkte Dokumentation der Ergebnisse, etc., etc.

Warum werden also in der Arbeit mit Großgruppen diese Tools nicht schon intensiv genutzt?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage mag sein, dass wir uns nicht recht vorstellen können, wie klassische Workshopmethoden elektronisch umgesetzt werden. Darüber hinaus scheinen elektronische Lösungen komplex zu sein. Entscheidet man sich aber für die richtigen Tools, so lassen sich bekante Elemente auf einfache Art und Weise umsetzen. So ist es etwa möglich, Punkte wie an einem Flipchart zu sammeln, umzustrukturieren, zu bewerten und ähnliches. Man kann auch virtuell große Gruppen in Kleingruppen aufteilen, diese zusammenarbeiten lassen und die Ergebnisse später wieder mit der gesamten Gruppe teilen. Auch eine hybride Lösung aus elektronischer Moderation und Präsenzveranstaltung ist möglich. Die angebotenen Tools sind also reif für die Nutzung in der breiten Masse.

Meiner Meinung nach ist es aber nicht der richtige Weg, ohne Konzept in die Nutzung dieser Tools einzusteigen. Richtig geplant und richtig begleitet ist es jedoch eine gute Idee.

Richtig begleitet? Ja!

Kein Tool kann einen erfahrenen Moderator ersetzten. Der Moderator muss sich dabei nicht nur mit dem Tool auseinandersetzten. Die Arbeit mit dem Tool muss zu den umfassenderen Prozessen passen, und gruppendynamische Phänomene berücksichtigen. Diese finden nämlich auch dann statt, wenn man sich nicht direkt an einem Ort begegnet. Genau wie bei einer Präsenzveranstaltung müssen in der digitalen Moderation die verwendeten Methoden auf die Ziele der Veranstaltung abgestimmt werden. Es kann auch sinnvoll sein, an mehreren Standorten einen Moderator zu haben, der jeweils mitverantwortlich für die übergreifende Betreuung der Veranstaltung ist.

Was sind Ihre Erfahrungen, was ist Ihre Meinung? Ich bin gespannt auf ihre Kommentare.

Vorsätze für das neue Jahr…

Wie schnell das wieder ging – das letzte Jahr geht vorüber und das neue Jahr nähert sich in großen Schritten. Schnell wird noch die ein oder andere Flasche Sekt gekauft um zu später Stunde mit Freunden und Familie auf das neue Jahr anzustoßen. Bereits am Nachmittag feiert man wie jedes Jahr den 90. Geburtstag von Miss Sophie, zusammen mit Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy, Mr. Winterbottom und Butler James.

Spätestens jetzt ist es soweit, man lässt das alte Jahr Revue passieren, mit all seinen Ereignissen, Erfolgen und Herausforderungen. Was soll in Zukunft besser werden? Was wollte ich immer schon einmal ändern? Zu den Klassikern gehören sicherlich gesünder Leben, mehr Sport treiben und – nach der dritten Wiederholung von „Dinner For One“ – weniger Fernsehen.

Etwas ungewöhnlich mag da mein Neujahrsvorsatz klingen: „schöner schreiben und zeichnen“.

Gar nicht mehr so ungewöhnlich klingt dies wenn ich sage, dass meine Kollegen und ich oft für und vor anderen Leuten schreiben, etwa am Flipchart oder an der Moderationswand. Um hier eine übersichtliche Struktur und eine gute Qualität zu liefern bedarf es sogar mehr als nur einer schönen Schrift. Aus diesem Grund fanden wir uns bereits im November zu einem Lernworkshop „Visual Facilitation“ in Bonn zusammen. Unter der Anleitung von Martin Haußmann von den Kommunikationslotsen beschäftigten wir uns einen Tag mit dem Handwerkszeug eines „Visual Facilitators“.

Unter „Visual Facilitation“ versteht man den Einsatz visueller Sprache, in Form von Text, Symbolen, Grafiken, Bildern und Strukturen, am Flipchart oder an der Moderationswand.

Durch diese Visualisierung erhalten Inhalte eine bessere Struktur und können leichter erinnert werden. Natürlich sieht es auch einfach schön aus, Gesagtes und Geschriebenes wird besonders gewürdigt.

Wie alle Neujahrsvorsätze wird auch dieser sicherlich ständiger Übung und Disziplin bedürfen. In diesem Falle dürfte es jedoch leicht sein, denn es macht viel Spaß am Ende sein vollendetes Flipchart zu betrachten.

Ich wünsche allen Lesern des Blogs ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2011!

Web-Video als Innovationsmedium

Die Art und Weise in der Menschen kommunizieren hat sich im Laufe der Evolution bereits mehrfach geändert, elektronische Kommunikationsmedien entwickelten sich erst in den letzten 200 Jahren. Verglichen mit der Evolution des Menschen also erst in kürzester Vergangenheit. Konnte sich der Mensch an diese Entwicklungen bereits anpassen und wie steht es mit der Fähigkeit elektronisch übermittelte Informationen zu dekodieren?

Sicherlich, der Mensch kann diese Informationen dekodieren, aber unser hochkomplexer kognitiver Apparat ist zu weitaus mehr fähig. Neben Text und Sprache kann er auch Mimik und Gestik erfassen und daraus Informationen ziehen. Der Mensch lernt durch das Beobachten anderer schneller und besser als durch das Lesen von Büchern, besonders bei Kindern ist dies zu beobachten.

Wenn wir diese Erkenntnisse ernst nehmen, dann gewinnen altbekannte Kommunikationsmodelle, wie das Sender-Empfänger Modell, enorm an Bedeutung. Sobald der Sender sich über die Botschaft im Klaren ist, wird diese in ein Signal verwandelt und über einen Kommunikationskanal dem Empfänger zugänglich gemacht. Eben dieser Kommunikationskanal ist der Flaschenhals, er schränkt aus technischer Sicht den Informationsgehalt der Botschaft ein. Während am Telefon kein Text übermittelt wird, fehlt bei einer E-Mail die Sprache.

Moderne Übertragungstechniken und die Bereitstellung der notwendigen Bandbreiten heben diese Beschränkung auf: heute können uns Web-Videos helfen, den Informationsgehalt einer Botschaft zu erhöhen. Gestik, Mimik, Bildsprache, Bewegungsabläufe, all dies kann mittels Web-Video vom Sender an den Empfänger übertragen werden.

Dies ist besonders dann wertvoll, wenn die Komplexität der Botschaft hoch ist. Mit der Komplexität der Botschaft sollte also auch die Komplexität des verwendeten Kommunikationsmediums ansteigen. Wie oft kommt es zu Rückfragen bei einer noch so gut formulierten E-Mail, wie oft wird eine Botschaft falsch verstanden?

In einem bemerkenswerten TED-Talk greift Chris Anderson diese Thematik auf. Er zeigt wie Web-Videos einen Beitrag zur Innovationsfähigkeit leisten können, einem Gebiet, das durch einen hohen Grad an Komplexität gekennzeichnet ist. Sehen und hören Sie beispielsweise, wie sich die globale Tanzkultur durch die Verbreitung von Tanz-Videos auf youtube rasant weiterentwickelt:

Link: TED – How web video powers global innovation by Chris Anderson

Damit schließt sich wieder der Kreis: was hätte Gutenberg wohl zur modernen Form der Informationsverbreitung im 21. Jahrhundert gesagt? Wir wissen es nicht.

Was wir aber mit Sicherheit sagen können ist, dass sich die Menscheit mit der Evolution der Kommunikationsmedien entwickelt hat. Und dass diejenigen, die neue Entwicklungen nicht genutzt haben, sich später darüber ärgerten.