Wie lassen sich eigentlich etablierte Modelle in Veränderungsprozessen einsetzten? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Hierzu ein kurzes Beispiel aus der Praxis:
Ich wurde beauftragt, einen Workshop zu begleiten. Zielsetzung dieses Workshops war es, dass die teilnehmenden Country Manager einen Überblick über die Gesamtsituation in ihrem Land bekommen und erste Handlungsoptionen für das Wachstum ihrer Landesorganisation ableiten können. Der Workshop wurde für 2 verschiedene Gruppen durchgeführt, einmal für 4 Country Manager (= 4 verschiedene Länder) und einmal 10 Country Manager (= 10 verschiedene Länder). Für diese Aufgabenstellung habe ich das 7-S Modell herangezogen.
Gewählte Vorgehensweise im Workshop:
- Vorstellung des 7-S Modells
- Ist-Analyse der 7-S Elemente
- Analyse von Einflußfaktoren, die das Wachstum erleichtern oder behindern
- Für 3-4 priorisierte Elemente
- von den Teilnehmer ausgewählt wurden die Elemente Strategy, Staff, Skills und
- Style
- Vorstellung weitergehender Modelle, die bei der Entwicklung von Szenarien und
- Handlungsoptionen unterstützen (z.B. Mitarbeiterentwicklung)
- Soll-Szenarien entwickeln mit konkreten Handlungsoptionen / Maßnahmen
Das 7-S Modell
Entstanden ist das 7-S Modell durch Studien von 2 McKinsey Beratern, die Erfolgsfaktoren von Unternehmen untersucht haben. In Kurzform das Ergebnis: Wenn die 7 Elemente des Modells im Einklang sind und bei Veränderungen berücksichtigt werden, dann ist das Unternehmen erfolgreich.
Diese 7 Elemente sind: Strategy, Structure (Organisation), Systems (Prozesse), Shared Values
(übergeordnete Werte / Ziele), Style (Zusammenarbeits- und Führungsstil), Staff (Human Resource
Management) , Skills (Kompetenzen und Fähigkeiten).
Bewertung aus der Praxis-Erfahrung
Für die Nutzung des 7-S Models spricht:
- Breit einsetzbar: Das Modell lässt sich bezogen auf vielfältige Fragestellungen verwenden. D.h. es gibt zunächst einen guten Überblick, wo sich ein Unternehmen, Bereich oder Team bezogen auf die 7 Elemente gerade befindet. Daraus folgend können dann konkrete Fragestellungen betrachtet werden. Bei diesen Workshops war es ein strategischer Impuls, also Auswirkung einer vorgegebenen Zielsetzung der Umsatzsteigerung auf die Organisation und das damit verbundene Wachstum, was sich jedes Land selbstverständlich anders darstellt.
- Jedes Element des 7-S Modells kann Ausgangspunkt für eine Veränderung sein, z.B. Prozessveränderung, Einführung neuer KPI’s, Veränderung der Teamzusammensetzung und vieles mehr.
- Denkansatz für die Dynamiken in einem Unternehmen: Es zeigt sehr gut auf, dass Veränderungen in einem Bereich (S Element) immer auch Veränderungen in allen anderen Bereichen bewirken. Aus diesem Bewusstsein heraus lassen sich dann konkrete Maßnahmen für die Umsetzung ableiten.
- Begeisterung der Teilnehmer für das Modell: Die Teilnehmer fanden das Modell sehr gut und sie möchten es zukünftig auch für andere Fragestellungen einsetzen, vor allem weil sie den strukturierten Aufbau des Modells als Rahmen und gemeinsame Diskussionsgrundlage geschätzt haben, sowie die Erkenntnis über die Verknüpfung aller Elemente, d.h. die Auswirkung von Veränderungen.
Gegen die Nutzung des 7-S Modells spricht:
- Zeitrahmen / große Komplexität: Bei der großen Gruppe stellte sich heraus, dass 2 Tage recht knapp waren, weil die Komplexität durch die unterschiedlichen Situationen in den 10 Ländern sehr hoch war. Ausgewählte, mehrfach auftretende Themen konnten gezielt bearbeitet werden, einige konkrete Fragestellungen mussten einfach offen bleiben. Letzteres konnte teilweise durch die sehr fruchtbaren Diskussionen in den Kleingruppenarbeiten aufgefangen werden (gegenseitige Fallberatung).
Aber: Bei geringerer Komplexität klappt es gut: In dem Workshop mit der kleineren Gruppe, d.h. den 4 Teilnehmern / Ländern hatten alle Teilnehmer einen Überblick über alle Länder und die Dynamik war im Vergleich besser. Dies ist meines Erachtens auf die geringere Komplexität der Ausgangslagen zurückzuführen. Das Workshopdesign hätte auch für mehr Teilnehmer gepasst, wenn die Anzahl der zu bearbeitenden Länder gleich geblieben wäre (also nicht mehr als 4 Länder) oder der Workshop länger gedauert hätte (3-4 Tage).
Fazit: Das Modell eignet sich hervorragend, um Ausgangslagen in Unternehmen umfassend zu
analysieren, was durch die klare Struktur des Modells jedoch gar nicht so schwierig ist. Der
‚Rattenschwanz an Auswirkungen‘ wird aufgezeigt, der durch eine Veränderung ausgelöst wird. Und
wenn man sich an den Elementen des 7-S Modells entlang hangelt, kann man Handlungsoptionen
definieren, um die Auswirkungen in das Unternehmen gut einzubetten.
Wie zu sehen ist, lassen sich auch etablierte Modelle in Workshops gut einsetzten, um an
Veränderungs- und Entwicklungsthemen zu arbeiten. Die Qualität der Ergebnisse ist jedoch von der
konzeptionellen Einbettung in einen Workshop abhängig. Diese als Berater gemeinsam mit dem Kunden
optimal gestalten ist und bleibt die Herausforderung.


Ja, ich stimme zu. Es ist ein gutes Modell, vor allem um mit dem Kunden “ins Gespräch zu kommen”. Wir haben es kürzlich bei einem neuen Kunden als Art Analysetool von außen eingesetzt. Anhand der sieben Punkte haben wir unsere Beobachtungen, die wir nach Interviews und einem Desktop Research gemacht hatten, strukturiert darstellen können.