Archiv nach Monaten: März 2011

Design Thinking – Methode oder Haltung?

Für mich bot die x-treat Nr. 1 Veranstaltung neben den von Peter Tscherne bereits beschriebenen Aspekten eine spannende Diskussion zum Thema “Was ist Design Thinking”?

Die Meinungen der Experten und auch des Publikums schwangten am ersten Tag zwischen “Methode vs. Haltung”.

In den praktischen Übungen am zweiten Tag wurde dann jedoch schnell deutlich, dass der Fokus auf der Methode “Design Thinking” lag. Die Abschlussdiskussion zeigte, dass die Verortung von Design Thinking noch viel Klärungspotenzial beinhaltet und die Meinungen stark differieren.

Nach diesen zwei Tagen ist Design Thinking für mich eine Kreativitätsmethodik, die insbesondere im Bereich des Innovationsmanagements eingesetzt werden kann und dazu führt:

  • mit unterschiedlichen Menschen gemeinsam an einem Thema zu arbeiten
  • schnell anfassbare Resultate zu generieren und
  • somit die Kommunikation in einem Team oder einer Organisation zu aktivieren.

Außerdem nehme ich als gutes Deliverable von Erik Roscam das “Design Thinking Mandala” mit.

x-treat No. 1 „Organisation and Design Thinking“, Tag 2

Würfel für Entscheidungen, Prototyp!Heute Vormittag ging es “endlich” los mit vier aus dem Plenum gewählten Fällen / Fragestellungen aus Organisationen. Ähnlich wie gestern fand ich auch heute die Gruppengröße (18!) ungeeignet, um schnell in Fahrt zu kommen. Es dauerte mehr als 60 Minuten, bis wir 3-4 Themen identifiziert hatten und in das Prototyping einstiegen. Ab dann war die Energie jedoch bei allen Teilnehmern sofort zu 100% da. Und tatsächlich, in nicht einmal einer halben Stunde haben wir dann in kleineren Teams viele spannende Ideen generiert. Das Thema war grob gesagt: “Was könnte es dem  Board eines Unternehmens – das sich selten einig ist -  leichter machen, Entscheidungen zu treffen?”.

Innerhalb von 10 Minuten hatten wir Dutzende gute und inspirierende Ideen zu dem Thema. Eine Idee haben wir dann ausgewählt und einen Prototyp entworfen, der auch auf dem Bild zu sehen ist: einen Würfel, der DANN als Entscheidungshilfe eingesetzt wird, falls sich das Board des Unternehmens innerhalb einer vorgegebenen Zeit NICHT einigt. Die sechs Seiten des Würfels zeigen die sechs Gesichter der Boardmitglieder: wer “gewürfelt” wird, entscheidet! Unsere Hypothese: der Würfel sorgt dafür, dass das Board in den meisten Fällen innerhalb der vorgegebenen Zeit zu einer gemeinsam getragenen Entscheidung kommt.

Die Frage war nur: wären wir nicht mit anderen Kreativmethoden zum ähnlichen Ergebnis gekommen…?Am Nachmittag gab es dann noch jeweils 3 Fragen an die acht DT-Experten sowie Feedbackgrupppen. Zwischen den DT Experten am Podium wurde noch heiss diskutiert, ob das Design Thinking einer theoretischen Basis wirklich bedarf oder nicht.  Spannend war da wieder die Beobachtung von Fritz Simon, der mit systemischer Brille auf den Tag schaute: “Toll in der Praxis, gute Ergebnisse. Aber es fehlt eine gemeinsame Diskursbasis für die Experten. Und daher wird es voraussichtlich viele, verschiedene Schulen geben.”

Vom Format her hätte die Veranstaltung für meinen Geschmack noch offener, kreativer, auf das “Machen” fokussiert sein können, es gab auch zu wenig Materialien ausser typisches Seminar-Material um richtig prototypen zu können. D.h. im Kern: für meinen Geschmack wurde Design Thinking zu wenig erlebbar gemacht. Aber: auch die Veranstaltung war ja ein Prototyp, von daher…

x-treat No. 1 „Organisation and Design Thinking“, Tag 1

Gerade zurück vom ersten Tag der Design Thinking Konferenz vom neuen mzx (Mangement Zentrum X) in Berlin.

Hier noch ganz frisch meine Eindrücke: zentrale Methoden des Design Thinking sind für uns Berater mit systemischen Hintergrund bekannt und werden mal mehr, mal weniger in der täglichen Arbeit genutzt (Co-Creation, Arbeiten in kleinen, wenn möglich interdisziplinären Teams, Prototyping, Aushalten von Ambiguität). Radikal ist sicher der Ansatz des permanenten Machens, Erstellens, des Sketchens und Scribblens – wobei das an diesem Tag 1 nicht genügend zur Anwendung kam. Klar wurde in den Diskussionen auch, dass Design Thinking nicht das Allheilmittel und überall einsetzbar ist, sondern vor allem bei “ill defined problems” und visionären Prozessen sinnvoll ist.

Bisher nicht ausreichend “geklärt” wurde die Frage: wie können neben Produkten und Services auch Organisationen oder Kulturen mit dieser Methode “designed” werden. Sicher eine der zentralen Fragen für die ca. 45 Teilnehmer, von denen wahrscheinlich die Hälfte Berater/innen mit systemischem Hintergrund sind (Nachtrag von Tag 2: ja, es waren kaum Vertreter aus Unternehmen vor Ort, vielleicht 2-3. Das wäre nächstes Mal spannend: wie funktioniert denn Design Thinking in der Praxis in Unternehmen?).

Spannend war dann noch der “Abendkuss” von Fritz Simon, eine Beobachtung des Tages aus systemtheoretischer Sicht: ja, es gibt Überschneidungen, auch die Methoden sind gut. Was ihm jedoch nicht genügend beachtet wird, ist die Selbstorganisation der Organisationen aus systemtheoretischer Sicht…ist es von daher überhaupt möglich Organisationen mit dieser Methode zu designen…?

Kurz noch das Format der Konferenz: Speed-Dating zum Kennenlernen, dann acht Kurzvorträge der acht “Experten” aus D, NL, AUT und den U.S.A. mit jeweils 2-3 Fragen aus dem Plenum. Am Nachmittag dann vier Gruppen a 12-18 Personen (!) mit jeweils drei Fragestellungen. Gefehlt hat mir ein guter Impuls, eine gute Einführung zu Beginn, sowie ein Prototyping bereits am Nachmittag. Stattdessen Diskussionen zu drei Fragen, die ich schon wieder vergessen habe, in einer für meinen Geschmack zu großen Gruppe.

Noch ein paar schöne Zitate von heute:

Professor Fritz Simon: “Praktisch funktioniert das gut, aber theoretisch…”

Professor Fred Collopy: “Look for paradoxes, not for problems. And get your hands dirty…”

Dr. Charles Petrie: “Don´t do ´Best Practices´, do something new.”

Autor unbekannt: “Design Thinking is a new story, not a new process.”

Erik Roscam Abbing: “It´s a very human approach. It deals with uncertainty. We do not know where we are going.”

Professor Peter Stephan: “Design Thinking does not make the world a better place. The U.S. military for example uses and loves Design Thinking.”

Mal gucken, was der zweite Tag bringt.