Web-Video als Innovationsmedium

Die Art und Weise in der Menschen kommunizieren hat sich im Laufe der Evolution bereits mehrfach geändert, elektronische Kommunikationsmedien entwickelten sich erst in den letzten 200 Jahren. Verglichen mit der Evolution des Menschen also erst in kürzester Vergangenheit. Konnte sich der Mensch an diese Entwicklungen bereits anpassen und wie steht es mit der Fähigkeit elektronisch übermittelte Informationen zu dekodieren?

Sicherlich, der Mensch kann diese Informationen dekodieren, aber unser hochkomplexer kognitiver Apparat ist zu weitaus mehr fähig. Neben Text und Sprache kann er auch Mimik und Gestik erfassen und daraus Informationen ziehen. Der Mensch lernt durch das Beobachten anderer schneller und besser als durch das Lesen von Büchern, besonders bei Kindern ist dies zu beobachten.

Wenn wir diese Erkenntnisse ernst nehmen, dann gewinnen altbekannte Kommunikationsmodelle, wie das Sender-Empfänger Modell, enorm an Bedeutung. Sobald der Sender sich über die Botschaft im Klaren ist, wird diese in ein Signal verwandelt und über einen Kommunikationskanal dem Empfänger zugänglich gemacht. Eben dieser Kommunikationskanal ist der Flaschenhals, er schränkt aus technischer Sicht den Informationsgehalt der Botschaft ein. Während am Telefon kein Text übermittelt wird, fehlt bei einer E-Mail die Sprache.

Moderne Übertragungstechniken und die Bereitstellung der notwendigen Bandbreiten heben diese Beschränkung auf: heute können uns Web-Videos helfen, den Informationsgehalt einer Botschaft zu erhöhen. Gestik, Mimik, Bildsprache, Bewegungsabläufe, all dies kann mittels Web-Video vom Sender an den Empfänger übertragen werden.

Dies ist besonders dann wertvoll, wenn die Komplexität der Botschaft hoch ist. Mit der Komplexität der Botschaft sollte also auch die Komplexität des verwendeten Kommunikationsmediums ansteigen. Wie oft kommt es zu Rückfragen bei einer noch so gut formulierten E-Mail, wie oft wird eine Botschaft falsch verstanden?

In einem bemerkenswerten TED-Talk greift Chris Anderson diese Thematik auf. Er zeigt wie Web-Videos einen Beitrag zur Innovationsfähigkeit leisten können, einem Gebiet, das durch einen hohen Grad an Komplexität gekennzeichnet ist. Sehen und hören Sie beispielsweise, wie sich die globale Tanzkultur durch die Verbreitung von Tanz-Videos auf youtube rasant weiterentwickelt:

Link: TED – How web video powers global innovation by Chris Anderson

Damit schließt sich wieder der Kreis: was hätte Gutenberg wohl zur modernen Form der Informationsverbreitung im 21. Jahrhundert gesagt? Wir wissen es nicht.

Was wir aber mit Sicherheit sagen können ist, dass sich die Menscheit mit der Evolution der Kommunikationsmedien entwickelt hat. Und dass diejenigen, die neue Entwicklungen nicht genutzt haben, sich später darüber ärgerten.

Kommentar schreiben

2 Kommentare.

  1. Spannendes Thema und unterhaltsamer TED Beitrag. Man müsste überlegen, wie man Web Videos bei der Organisationsberatung sinnvoll einsetzen kann. Man könnte z.B. bei einem Projekt an zentralen Stellen das Medium Web Video zur Dokumentation / späteren Inspiration einsetzen…

  2. Ilka Schwering

    Auf jeden Fall zeigt sich, dass es sich lohnt, genau zu prüfen, welches Medium für welche Botschaft und Zielgruppe geeignet ist – und welche Alternativen es gibt. Was so selbstverständlich klingt wird auch im modernen digitalen Zeitalter noch viel zu häufig vernachlässigt.

    Da werden einerseits mit großen Aufwand Videokonferenzen und Web-Chats eingerichtet, nur um “auf der Höhe der Zeit” zu sein, obwohl manches mal eine einfache Email oder ein Telefonat genügen würden…

    Andererseits wird bei der Kommunikation von komplexeren Themen oder der Durchführung von Veranstaltungen und Meetings manches mal (zu) schnell auf Gewohntes zurückgegriffen…

    Die Herausforderung, hier einen guten Mittelweg zu finden und die Spreu der neuen Medien vom Weizen zu trennen wird unsere Gesellschaft und Arbeitswelt sicher noch eine Weile begleiten.

Kommentar schreiben

Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>