Archiv nach Monaten: Oktober 2010

Die Perspektive und ihr Kontext…

Eine neue Situation und ihre Bedeutung für uns? – Nehmen wir in Sekundenbruchteilen wahr.

Die Kompetenzen unseres Gegenübers? – Können wir aufgrund unserer Erfahrung schnell einschätzen.

Die Meinung unserer Mitmenschen? – Ist für uns kein Maßstab, wir bilden uns unsere eigene Meinung.

Wirklich?

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Washington, DC Metro Station on a cold January morning. A man with a violin plays six Bach pieces for about 45 minutes. During that time approx. 2 thousand people passed through the station, most of them on their way to work. After 3 minutes a middle-aged man noticed there was a musician playing. He slowed his pace and stopped for a few seconds and then hurried to meet his schedule.

4 minutes later: The violinist received his first dollar: a woman threw the money in the hat and, without stopping, continued to walk.

6 minutes: A young man leaned against the wall to listen to him, then looked at his watch and started to walk again.

10 minutes: A 3-year old boy stopped but his mother tugged him along hurriedly. The kid stopped to look at the violinist again, but the mother pushed hard and the child continued to walk, turning his head all the time. This action was repeated by several other children. Every parent, without exception, forced their children to move on quickly.

45 minutes: The musician played continuously.  Only 6 people stopped and listened for a short while. About 20 gave money but continued to walk at their normal pace. The man collected a total of $32.

1 hour: He finished playing and silence took over. No one noticed. No one applauded, nor was there any recognition.

No one knew this, but the violinist was Joshua Bell, one of the greatest musicians in the world. He played one of the most intricate pieces ever written, with a violin valued at $3.5 million dollars. Two days before, Joshua Bell sold out a theater in Boston where the price of seats averaged $100.

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Dieses Ereignis war Teil eines sozialen Experiments der Washington Post, bei dem es um die Untersuchung von Wahrnehmung, Geschmack und Prioritätenvon Menschen ging. Mich hat es beim nochmaligen Lesen wieder einmal daran erinnert, dass die wirklich relevanten und beeindruckenden Dinge nicht unbedingt dort auftauchen, wo wir sie erwarten.

Denn:

Wenn wir nicht einmal ein paar Sekunden Zeit haben, einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, der einige der schönsten Stücke spielt, die je geschrieben wurden,  mit einem der besten Instrumente, das je gebaut wurde …

… was übersehen wir noch alles?

Link zum gesamten Artikel inklusive mehrere Videos des Auftritts:
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/04/04/AR2007040401721.html

Web-Video als Innovationsmedium

Die Art und Weise in der Menschen kommunizieren hat sich im Laufe der Evolution bereits mehrfach geändert, elektronische Kommunikationsmedien entwickelten sich erst in den letzten 200 Jahren. Verglichen mit der Evolution des Menschen also erst in kürzester Vergangenheit. Konnte sich der Mensch an diese Entwicklungen bereits anpassen und wie steht es mit der Fähigkeit elektronisch übermittelte Informationen zu dekodieren?

Sicherlich, der Mensch kann diese Informationen dekodieren, aber unser hochkomplexer kognitiver Apparat ist zu weitaus mehr fähig. Neben Text und Sprache kann er auch Mimik und Gestik erfassen und daraus Informationen ziehen. Der Mensch lernt durch das Beobachten anderer schneller und besser als durch das Lesen von Büchern, besonders bei Kindern ist dies zu beobachten.

Wenn wir diese Erkenntnisse ernst nehmen, dann gewinnen altbekannte Kommunikationsmodelle, wie das Sender-Empfänger Modell, enorm an Bedeutung. Sobald der Sender sich über die Botschaft im Klaren ist, wird diese in ein Signal verwandelt und über einen Kommunikationskanal dem Empfänger zugänglich gemacht. Eben dieser Kommunikationskanal ist der Flaschenhals, er schränkt aus technischer Sicht den Informationsgehalt der Botschaft ein. Während am Telefon kein Text übermittelt wird, fehlt bei einer E-Mail die Sprache.

Moderne Übertragungstechniken und die Bereitstellung der notwendigen Bandbreiten heben diese Beschränkung auf: heute können uns Web-Videos helfen, den Informationsgehalt einer Botschaft zu erhöhen. Gestik, Mimik, Bildsprache, Bewegungsabläufe, all dies kann mittels Web-Video vom Sender an den Empfänger übertragen werden.

Dies ist besonders dann wertvoll, wenn die Komplexität der Botschaft hoch ist. Mit der Komplexität der Botschaft sollte also auch die Komplexität des verwendeten Kommunikationsmediums ansteigen. Wie oft kommt es zu Rückfragen bei einer noch so gut formulierten E-Mail, wie oft wird eine Botschaft falsch verstanden?

In einem bemerkenswerten TED-Talk greift Chris Anderson diese Thematik auf. Er zeigt wie Web-Videos einen Beitrag zur Innovationsfähigkeit leisten können, einem Gebiet, das durch einen hohen Grad an Komplexität gekennzeichnet ist. Sehen und hören Sie beispielsweise, wie sich die globale Tanzkultur durch die Verbreitung von Tanz-Videos auf youtube rasant weiterentwickelt:

Link: TED – How web video powers global innovation by Chris Anderson

Damit schließt sich wieder der Kreis: was hätte Gutenberg wohl zur modernen Form der Informationsverbreitung im 21. Jahrhundert gesagt? Wir wissen es nicht.

Was wir aber mit Sicherheit sagen können ist, dass sich die Menscheit mit der Evolution der Kommunikationsmedien entwickelt hat. Und dass diejenigen, die neue Entwicklungen nicht genutzt haben, sich später darüber ärgerten.