Archiv nach Monaten: Juli 2010

Co-Creation gegen Klimawandel: Coalition of the willing

Coalition of the WillingWas kollektive Schwarmintelligenz bewirken kann, zeigt eindrucksvoll das Projekt “Coalition of the Willing”. Für einen Animations-Film zum Thema “Globale Erwärmung” hat der Initiator Knife Party Production weltweit Unterstützung gesucht und gefunden.

Ein virtuelles Netzwerk von 24 Kreativen arbeitete jeweils an ausgewählten Keywords z.B. den “Sixties”. Die Abstimmung und der Austausch im Netzwerk erfolgte dabei ausschließlich online.

Der dabei entstandene Kurzfilm skizziert auf eine eindrucksvolle Weise, wie die Möglichkeiten von Web 2.0 im Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden können. Es geht um die Aktivierung und die Vernetzung von Experten, Aktivisten und ganz normalen Bürgern. Warum warten?

Ein Netzwerk in Aktion

„Und wer ist diesmal alles mit dabei?“ Diese Frage wird immer gern gestellt, wenn das cidpartners Netzwerk zu seinen regelmäßigen Quartalstreffen zusammenkommt. Bekannte Netzwerkkollegen, neue Gesichter und das stabile Kernteam treffen sich, um für einige Stunden gemeinsam an aktuellen Themen zu arbeiten. Dieses Mal neu dabei: Ursula Niclauss, Coach und Unternehmensberaterin aus Bergisch Gladbach Bensberg.

Gleich zu Beginn – beim traditionellen Mittagessen mit selbst mitgebrachten Leckereien in der Küche – wurde klar: dies ist eine Runde, in der ein persönlicher Einstieg dank des offenen Umgangs miteinander leicht fällt, nicht nur beim Gespräch über die leckere Gazpacho Suppe.

Auch die Atmosphäre bei der „ernsthaften Arbeit“ beschreibt Ursula Niclauss als achtsam und doch direkt und produktiv. Ohne „Samthandschuhe“, dafür offen für Kritik und neugierig auf neue Impulse… Eine schöne Umschreibung für das, was unsere Zusammenarbeit ausmacht.

Besonders beeindruckt haben Ursula Niclauss die hohe Ergebnisorientierung in der Runde und der zugleich sehr unterschiedliche Erfahrungshintergrund der einzelnen Mitglieder. Uns fällt es manchmal gar nicht mehr so sehr auf: aber durch die Groupmind-Methodik, bei der nach einer inhaltlichen Orientierung parallel an verschiedenen Themen gearbeitet wird, werden Kompetenzen und Wissen der Anwesenden sehr effektiv genutzt und schnell in konkrete Ergebnisse verwandelt.

Die Bedeutung von Web 2.0 für die Beratung, Formen von Gender-Coaching, Ideen für interne Marketing-Materialien oder neue Entwicklungen am Markt sind dabei nur einige Themen, die im Rahmen des letzten Meetings weiterentwickelt wurden.

Am Ende eines produktiven, nicht nur aufgrund der Sommerhitze aber auch anstrengenden Tages bleibt so bei Ursula Niclauss und vielen anderen Teilnehmer das Fazit: Es hat sich wieder einmal gelohnt, nach Bonn zu kommen, auch wenn die Zeit zu kurz war, um aktiv an allen Themen mitzuarbeiten. Ursula Niclauss ist auf jeden Fall gespannt, wie die konkrete Zusammenarbeit in Zukunft aussieht – und hat Lust auf Mehr bekommen.

„Der Jojo-Effekt wirkt auch im Büro“

In einem wunderbaren Essay in der Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung nimmt Autor Tobias Moorstedt „eine seltsame Branche“ ironisch unter die Lupe, „die von der Angst wie von der Zuversicht lebt.“: Es geht um die Branche der Motivationstrainer und Coaches, die Managern und normalen Menschen dabei helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Komplexität der Welt zu ertragen. Zitat: „Die Welt ist komplex, schnell – und alle sind ratlos. Bis auf einen. Das ist der Coach.“ Und weiter: „Seelenflüsterer und Turbo-Coaches erscheinen als sozialkompetente Schamanen und mentale Magier, die … psychische Blockaden lösen und Dysfunktionalitäten klären.“ Hier ein paar seiner Thesen – zum Schmunzeln und dran Reiben. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

  • In nur wenigen Jahren ist der Coach zum festen Bestandteil des Wirtschaftspersonals geworden, genau wie der Controller oder der Computerfrickler. Ein Spezialist mit unbegrenztem Aufgabengebiet, der effizienten Ausbeutung der Human Ressources und Optimierung der Team-Kommunikation.
  • Kein Wunder: Der moderne Mensch steckt in einer verzwickten Lage. Die Arbeitswelt wird immer komplexer, die rasend schnelle technische Evolution lässt erlernte Fähigkeiten immer schneller veralten. Beinah täglich verändert sich das Organigramm, das uns die Position in Konzern und Kosmos anzeigt, verrutschen die Linien, Diagramme und Zugangscodes, wechseln Titel, Kollegen, Vorgesetzte.
  • Die einzigen Reformen, welche die gegenwärtige Systemkrise auszulösen scheint, sind individuell-interne Anpassungsprozesse der Arbeitnehmer. Globale Netzwerke von Finanzmarkt und Produktionsstraßen erscheinen zu komplex, als dass man sie neu programmieren könne. Das einzige was man noch verändern kann, ist man selbst. Dabei hilft uns der Coach.
  • Aber auch die Gesellschaft insgesamt scheint ratlos, selbst im Alltag geht heute ohne Coach gar nichts mehr: Da gibt es Coaches für Zeitmanagement, Personal Trainer, Dating-Doktoren, Shopping Coaches, spezialisierte Berater für Garten, Wohnzimmer und das Innenleben der domestizierten Fauna und Flora.
  • So genannte „Helptainment-Sendungen“ fluten die Fernsehkanäle: Die Super-Nanny rettet Familien vor sich selbst. Der Restaurant-Tester macht eine Currywurst-Bude zum Szenelokal, der Schuldenberater zeichnet dem Familienvater mit buntem Textmarker den Weg aus dem dunklen Kreditloch.

Aber, so zitiert der Autor den Bielefelder Organisationssoziologen Stefan Kühl, Autor des Standardwerkes zur „personenbezogenen Beratung in Organisationen“:

  • Organisationen lassen sich mit einem Federstrich ändern, erwachsene Menschen nicht. „Der Mensch bleibt ein träges Wesen, auch wenn auf Plakaten und in Broschüren die permanente Revolution als Überlebensprinzip gefeiert wird.“
  • Coaching wirke oft inspirierend und erhellend, aber in der Realität falle man meist in die Routine zurück – der altbekannte Jojo-Effekt wirke auch im Büro.
  • Coaching diene daher eher als Ventil für Frustrationen und Unsicherheiten. Der Coach gibt keine konkrete Handlungsanweisungen, sondern streichelt die gestresste Seele. Coaching ist Wellness fürs Gehirn.

Mannschaftsgeist gewinnt Titel

Was Unternehmen von der Fußball-Nationalmannschaft lernen können

„Fußball ist ein einfaches Spiel, bei dem 22 Spieler einem Ball hinterherlaufen und ein Schiedsrichter pfeift – und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Was Englands WM-Torschützenkönig von 1986, Gary Lineker, damit meinte, war: Nicht die Mannschaft mit den besten Einzelspielern gewinnt am Ende, sondern das bessere Team – und das war eben oftmals das deutsche. Auch 2010 waren die Stars der Premier League beim 1:4 gegen die deutschen Youngster chancenlos. Was Jogi´s Mannen im Achtelfinale gezeigt haben, führt einmal mehr vor Augen, worauf es im Fußball – und nicht nur dort – ankommt: auf das perfekte Zusammenspiel. „Im Sport wie im Unternehmen zählt letztlich nur das Teamergebnis“, sagt Detlev Trapp, Gründer der Organisationsberatung cidpartners in Bonn.

Was können also Unternehmen von Nationalmannschaft und Bundestrainer lernen, um ihre Teamergebnisse zu verbessern? Das wichtigste überhaupt ist die Mannschaftsaufstellung. Alle vier Jahre wieder ist die Zusammenstellung des Kaders ein vielbeachtetes – und oft missverstandenes – Medienereignis. Denn hierbei geht es nicht darum, dass die besten (und schon gar nicht die beliebtesten) Spieler zur WM fahren. Vielmehr hat der Bundestrainer ein Konzept im Kopf, bei dem aus elf Einzelspielern eine Mannschaft wird. Zu seinem Konzept gehören dann so unterschiedliche Rollen wie die des Spielmachers, des Antreibers, des Ausputzers, des Knipsers oder des Wasserträgers. Stimmt die Mischung, kommt am Ende ein Hochleistungsteam dabei heraus. Entscheidend ist, dass alle Rollen ausgewogen besetzt sind. Mit fünf Spielmachern auf dem Platz, wäre vermutlich nach der Vorrunde Schluss gewesen. Und das gilt auf dem Platz genauso wie im Unternehmen.

Um dauerhaft hohe Leistungen erbringen zu können, gilt es möglichst alle erforderlichen Rollen auf ein Team zu verteilen. Die moderne Organisationswissenschaft hat herausgefunden, dass es deren acht gibt, die in jedem Projekt und für jede Aufgabe benötigt werden:

  1. Den Berater, der Informationen sammelt und weitergibt.
  2. Den Innovator, der neue Ideen entwickelt und mit ihnen experimentiert.
  3. Den Promotor, der neue Möglichkeiten erkundet und dem Team präsentiert.
  4. Den Entwickler, der die neuen Ideen auf ihre Brauchbarkeit bewertet und testet.
  5. Den Organisator, der darauf drängt die Ideen und Pläne in der Praxis zu verwirklichen.
  6. Den Umsetzer, der Aufgaben nach Plan erfüllt, um Leistungen zu erbringen.
  7. Den Überwacher, der das Funktionieren der Systeme kontrolliert.
  8. Den Stabilisierer, der sicherstellt, dass Qualitätsstandards und Abläufe eingehalten werden.

Entwickelt wurde das Konzept der acht zentralen Rollen von den Forschern Margerison und McCann. Ausgehend von der Analyse erfolgreicher Teams haben sie das „Team Management System“ (TMS) entwickelt. Es hilft seit mehr als 20 Jahren Teams in Unternehmen dabei, sich erfolgreich aufzustellen. Grundlegende Erkenntnis des TMS ist, dass jeder Mensch eine der acht Rollen bevorzugt übernimmt und durch seine „Vorliebe“ auch besonders gut ausübt.

Ein erfolgreiches Team, so die Erkenntnis der Organisationsforscher, benötigt jedoch alle Rollen gleichermaßen. Denn was nützen viele Umsetzer, wenn es an kreativen Teammitgliedern fehlt, die neue Ideen und Lösungen entwickeln können. Und was hat ein Team mit lauter kreativen Innovatoren von den eigenen Ideen, wenn es an Kollegen fehlt, die für die Umsetzung sorgen und Ergebnisse erzielen können. Eine Führungskraft tut also gut daran, dies entweder schon bei der Besetzung zu berücksichtigen oder sich zu überlegen, wie z. B. durch eine Kooperation mit anderen Abteilungen oder Bereichen mögliche Lücken im Team gefüllt werden können.

Zugleich ist es für Führungskräfte eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, ein Team zu führen, in denen die unterschiedlichen Rollen ausgewogen vertreten sind. Denn die komplementären Rollen neigen zu gegenseitigem Unverständnis und polarisierenden Sichtweisen. Hier helfen Modelle wie TMS dabei, die Kommunikation im Team zu erleichtern. Sie liefern einen Rahmen und Erklärungsmuster für unterschiedliche Sichtweisen und deren Nutzen. Sie können dem Team und seiner Führung helfen, frühzeitig Lücken in der eigenen Leistungsfähigkeit zu erkennen und die vorhandenen Unterschiede produktiv zu nutzen.

Was Unternehmensteams von Fußballmannschaften lernen können, hat Peter Schlötter in seinem Buch „Das Spiel ohne Ball im Unternehmen“ analysiert. Seine These: Der Fußball wurde durch das Konzept des Spiels ohne Ball revolutioniert, und das ist nichts als Kommunikation: „Jede Bewegung (eines Spielers) kann als ein Zeichen gelesen werden, das über potenzielle Bewegungen Auskunft gibt. Information – Mitteilung – Verstehen, die Grundaspekte von Kommunikation, bilden (auch hier untrennbar) die vierte Dimension im Fußball.“

Auch die Nationalmannschaft nutzt seit Klinsmanns Tagen Team bildende Maßnahmen, um Kommunikation und Zusammenspiel, und damit das gegenseitige Verständnis, zu verbessern – vom Einzelcoaching über Gruppenübungen im Hochseilgarten bis hin zu gemeinsamen Filmbesuchen (zuletzt das südafrikanische Sport- und Apartheitsdrama „Invictus – Unbezwungen“) mit anschließender Reflektion. Fakt ist: Der deutsche Trainerstab ist sehr erfolgreich darin, heterogene, leistungsfähige Mannschaften in die Turniere zu schicken, die dann auch meist relativ weit kommen. Getreu dem Motto: „Es können (und müssen) nicht alle Brasilianer sein!“