Archiv nach Monaten: Mai 2010

Von der Stange versus Maßgeschneidert

Fahrrad MaßgeschneidertBei der Arbeit an diesem Blog sind wir auf ein Thema gestossen, das uns auch in unserer Arbeit beschäftigt: Was kann und soll man von der Stange kaufen, bzw. anbieten? Und was sollte man individuell anfertigen oder anfertigen lassen? Einen Blog kann man tatsächlich kostenlos in wenigen Minuten einrichten. Will man jedoch etwas wirklich Schönes und Individuelles, kommt man um Detail-Arbeit (in diesem, unserem Fall mussten wir in den Code einsteigen und manuell Anpassungen vornehmen) nicht herum. Aus Minuten werden Stunden und sogar Tage.

Ähnlich ist es bei der Beratung und bei Trainings oder Workshops. Einige von uns Netzwerkpartnern arbeiten z.B. als Trainer für Unternehmen, die Standard-Trainings-Produkte verkaufen. Jedes Training z.B. zu Themen wie “Konfliktmanagement”, “Team-Führung” oder “Projektmanagement” läuft gleich ab. Egal in welchem Unternehmen, egal in welchem Land. Das hat natürlich für die Trainer seine Vorteile, aber wird nie den Effekt erreichen, den maßgeschneiderte Trainings haben. Bei cidpartners investieren wir oft viele Tage in die Vorbereitung von Workshops und Trainings und erarbeiten gemeinsam mit den Auftraggebern das konkrete Design, befragen in vielen Fällen die Teilnehmer vorab, um optimal sinnvolle Ziele und passende Inhalte definieren zu können. Für uns bedeutet das auch, dass wir den Ablauf immer wieder neu gestalten müssen (oder besser: dürfen) und dadurch auch gut in Bewegung bleiben.

Kreativitätstechniken / Prototyping

Alanus Hochschule Innenhof

Alanus Hochschule Innenhof

Die letzten beiden Tage habe ich mit einem Team eines Kunden in der wunderbaren Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn verbracht. Trainiert habe ich Kreativitätstechniken und neue Methoden der Gruppenarbeit. Ort war eines der Maler-Ateliers der Hochschule: sofort beim Betreten des Raumes wurde allen klar, dass dies tatsächlich räumliches Neuland war : ein sehr hoher, lichter Raum; der gesamte Boden und alle Stühle/Tische voll mit Farbklecksen, unzählige Staffeln im Raum etc.

Meine Hoffnung war dass der ausgewählte Ort die Kreativität der Teilnehmer auch beschleunigt oder zumindest unterstützt. Und so war es auch. Neben spielerischer Methodenarbeit war es dann vor allem der letzte Nachmittag, an dem die Teilnehmer ihre eigenen Ideen als Prototypen gebastelt, bzw. inszeniert haben. Innerhalb kürzester Zeit hatten die beiden Teams ihre Ideen so anschaulich und erzählerisch aufbereitet, dass der Verkauf an die internen Kunden auf einmal halb so schwer erschien. Es war schön zu sehen, wie das Prototyping zur  Schärfung der Ideen beitrug und gleichzeitig den Beteiligen eine Menge Energie gab.

IA Konferenz in Köln zum Thema Service.Design.Thinking.

The future is already hereDie IA Konferenz war auch in diesem Jahr (14. und 15.05.) wieder ein nettes Get to gether zwischen Agenturen, Kunden und Freelancern. Ich hatte mich besonders gefreut, das der Themenscherpunkt auf Service Design und Design Thinking gelegt wurde, da ich zu diesen Themen im Vorfeld bereits einige Bücher und Beiträge gelesen und verfolgt habe.

Diverse Vorträge beleuchteten die Bereiche von theoretischer oder praktischer Seite z.B.:

  • The future ist already here (Erin Malone, Tangible UX)
  • Design Thinking Methoden in der Praxis (Klaus Rüggenmann, aperto)
  • Prediction Markets als Bestandteil von Enterprise 2.0 (Rainer Sax, SinnerSchrader)
  • Human Interface Guidelines for Enterprise 2.0 (Jens Scholz LBi Germany)
  • Service Design und Verhaltensänderungen (Birgit Mager, KISD)

Mein Favorit am ersten Tag war Bobo Vatovec’s (bovacon, Berlin) Session unter dem Titel “Riding on the Storm: Das IA-Survival Guide”.

Bobo hat deutlich gemacht, dass in der Realität sehr oft eine Verknüpfung aus Service- und Produkt-Design stattfindet (z.B. Suppenausgabe an Bedürftige – Suppe = Produkt und Ausgabe/Bedienung = Service).

Das Thema ist “in” und eine Vielzahl von Agenturen und Beratungsfirmen setzen sich damit auseinander. 2010 werden allein 120 Konferenzen stattfinden, die sich mit “Service Design” auseinandersetzen. Doch wohin geht die Reise? Ist das Thema nur ein alter Hut in neuem Look? Irgendwie ja aber irgendwie auch nein. Sein Credo am Ende des Vortrages geht in die richtige Richtung.

Es geht um eine Verbindung von Design (Service Design, Experience Design) mit der Organisationsentwicklung, dem Veränderungsmanagement und damit den klassischen Management-Beratungs-Kompetenzen. Denn nur dann kann das Ziel: ein ganzheitlicher Blick auf die Serviceorientierung einer Organisation auch tatsächlich umgesetzt werden.

Am zweiten Tag hat mich die Closing Keynote von Arne van Oosterom (DesignThinkers, Amsterdam) “Building a Culture of Trust” inspiriert. Neben einer gelungenen Prezi-Darbietung mit vielen Filmelementen hat er deutlich gemacht, dass Service Design und Design Thinking als neues Mindset in Organisationen etabliert werden soll. Er sprach vom Mehrwert der Co-Creation und der Essenz beim Aufbau von Kundenbeziehungen, um Vertrauen zwischen Kunden, Mitarbeitern und Organisationen zu entwickeln. Nur das kann seiner Meinung nach langfristig ein USP im Wettbewerb mit der Konkurrenz sein, da auf Grund der globalen Entwicklungen im Bereich Social Media und Web 2.0 Advertisement Lügen immer schneller entlarvt werden.

Sein Fazit: “Everything is connected to everything. We need to collaborate. … There ist a space opening up for new companies with a new mindset and not only profit-driven in a short way.”

Neue Welt wir kommen…

Einige Präsentationen sind bereits bei Slideshare hochgeladen. Viel Spaß.

Willms Buhse und Sören Stamer: Enterprise 2.0, Die Kunst loszulassen

Di Kunst loszulassen - Enterprise 2.0Loslassen. Was bedeutet das im Kontext von Organisationen? Was soll losgelassen werden? Und von wem? Stamer und Buse beziehen ihren Titel auf den Kontrollverlust des Managements und der Selbstverantwortung bzw. stärkeren Einbindung der Mitarbeiter. Sie zeichnen das Bild einer offenen, sich permanent verändernden Unternehmenskultur. Es geht um neue Strukturen und um Mitwirkung. Social Software soll dabei unterstützen.

Das Buch beleuchtet das Thema Enterprise 2.0 in zwölf verschiedenen Fachbeiträgen von Autoren wie Andrew McAfee, Don Tapscott und David Weinberger. Case Studies am Beispiel von CoreMedia, Nokia, SAP und Vodafone zeigen auf, dass die Unternehmen erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Die meisten Case Studies geben einen Einblick in die vorhandene “Enterprise 2.0 Plattformen” und deren Nutzungsmöglichkeiten. Das CoreMedia Beispiel geht weiter und bezieht insbesondere die Organisationskultur sowie –struktur mit ein. Für mich war insbesondere spannend zu lesen, welche umfangreichen Veränderungen CoreMedia auf dem Weg zum Enterprise 2.0 durchgeführt hat, wie z.B.:

  • Etablierung von Teams mit Verantwortung für den gesamten Prozess
  • Einführung von Open Space Workshops
  • Trennung von fachlicher Führung und Personalentwicklung
  • Neubesetzung des Managements nach dem Fish Bowl Prinzip etc.


Offen bleibt jedoch, inwieweit die eingeführten Strukturen und Prozesse die Unternehmenskultur sowie die Marktposition von CoreMedia nachhaltig verbessert haben. Dieser Einblick sowie weitere Erfahrungen mit dem Thema “Was passiert nach der Einführung von Enterprise 2.0?” wären für mich eine interessante Weiterführung der Erkenntnisse gewesen.

Tom Kelley: Ten Faces of Innovation

Ten Faces of Innovation

Wie entsteht Innovation? Welche Typen und Talente benötigt es in einem Team, um Ideen umzusetzen? Wie können traditionelle Muster durchbrochen und neue Denk- und Umsetzungsmöglichkeiten entstehen? Ist Innovation auf bestimmte Branchen beschränkt?

Diesen und einigen weiteren Fragen geht Tom Kelley in seinem relativ neuen Buch „Ten Faces of Innovation“ nach (Taschenbuchausgabe von  2008,  ebenfalls von ihm ist der Bestseller „The Art of Innovation“ von 2001). Der Bruder des IDEO Gründers David Kelly definiert zehn Typen, die im Idealfall in einem Team zusammenkommen und gemeinsam neue Wege beschreiten. Natürlich können einige Personen verschiedene Rollen besetzen, zentral ist nur, dass möglichst viele der Rollen vertreten sind. Wir von cidpartners analysieren mit dem Team Management Profil (TMS) ebenfalls, welche Rollen innerhalb eines Teams vorhanden, bzw. wie stark ausgeprägt sind. Die Benennung der Rollen ist bei TMS etwas anders, aber der Ansatz ist ein ganz Ähnlicher.

Bei Kelley heissen die zehn Rollen „Hurdler“, Collaborator“, „Anthropologist“, „Experimenter“, „Director“, „Cross-Polinator“, „Experience Architect“, „Storyteller“, „Set Designer“ und „Caregiver“. Besonders interessant fand ich persönlich die Beschreibung der Rolle des „Experimenter“, da dies eine Rolle ist, die man im Beratungsalltag selten ausüben kann. Die Rollen des „Anthropologist“, „Storyteller“ und „Caregiver“ hingegen sind uns allen hinreichend bekannt.

Mit (jeweils!) Dutzenden konkreter Beispiele aus dem IDEO Arbeitsalltag werden die zehn Rollen anschaulich zum Leben erweckt, wobei man als Leser hier und da Überschneidungen zwischen den Rollen bemerkt. Und streckenweise liest sich das Buch wie eine Aneinanderreihung aller bisherigen IDEO Projekte (nebenbei werden noch massenweise Mitarbeiter namentlich erwähnt), ist aber trotzdem spannend geschrieben. Und macht Lust, selbst mehr neue Wege zu beschreiten und einige der Methoden auszuprobieren.

Klasse an dem Buch ist auch, dass Kelley deutlich macht, dass Innovation in allen Branchen und allen Bereichen des täglichen Lebens notwendig ist und es noch sehr, sehr viel zu tun gibt. Und damit meint er sowohl Produkte als auch Services und sogar Organisationen.

Auf der letzten Seite macht Kelley noch eines klar: Wenn man wirklich Innovation möchte, dann darf es nicht auf einen Jobtitel ankommen, sondern auf das gelungene Zusammenspiel der zehn Rollen: „Don´t let a title or a job description hold you back. Show me a list of people who changed the world, and I´ll show you a group of people unconstrained by traditional roles.”

Ausflug in die Systemtheorie – Fundamentals 1.0

Eine überraschende Auseinandersetzung mit Niklas Luhmann’s Systemtheorie beinhaltete das Seminar bei Torsten Groth und Athanasios Karafillidis am 23. und 24.04.10 in Berlin.

Die beiden Gastgeber schafften es auf eine spannende und symphatische Art und Weise wesentliche Elemente der Systemtheorie verständlich zu machen. Von Konstruktivismus über Grundlagen des Systemdenkens bis hin zur Paradoxie des Entscheidens sowie Interventionen und Wandel wurde referiert und diskutiert. Neben mir als Neueinsteiger hatten auch alteingesessene systemische Berater Ihre Freude an dem Seminar.

Meine Highlights:

  • “Soziale Systeme sind kommunikative Systeme.”
  • “Kommunikation teilt die Welt nicht mit, sie teilt sie ein.”
  • “Organisationen sind Unsicherheitsabsobtionen in der Gesellschaft.”
  • “Jede Krankheit im System hat auch einen Nutzen.”

Ich bin gespannt auf die Fundamentals 2.0 zum Thema “Netzwerke” und inwieweit die Theorie in der Praxis greifbar wird.