
Die re:publica wurde als dreitägiges Konferenzformat ursprünglich von und für Blogger ins Leben gerufen. Mittlerweile ist ist sie zu einem der großen internationalen „Social Media“ Events gewachsen und fand in diesem Jahr vom 13. – 15. April zum vierten Mal in Berlin statt. Wir sprachen mit der selbständigen User Experience Designerin Sandra Rehs, die drei Tage lang vor Ort war.
Peter: Was waren Deine generellen Eindrücke aus drei Tagen re:publica?
Sandra: Ich bin von der Veranstaltung sehr positiv überrascht, besonders von dem vielseitigen Programm mit klarem politischen Schwerpunkt. Ich hab eine Community erlebt, die sich nicht nur beklatscht, sondern auch hinterfragt. Den Vorwurf der “reinen Selbstreferentialität” kann ich absolut nicht unterschreiben. Ich habe viele anregende, kritische und offene Fragen mit nach Hause genommen.
Peter: Wie war das Publikum der re:publica zusammengesetzt?
Sandra: Ich habe die Altergruppe als ziemlich gemischt empfunden. Das Publikum war überwiegend deutsch, die meisten Vorträge wurden aber für die Gäste in Englisch gehalten (gehört sich aber auch für eine Konferenz zu so einem länderübergreifenden Thema, finde ich). Ich glaube, es ist längst nicht mehr so, dass die Mehrzahl der Leute auf der re:publica Blogger sind, inhaltlich ist für alle netzaffinen etwas dabei.
Peter: Was war aus Deiner Sicht neu oder überraschend? / Was war Dein persönliches Highlight?
Sandra: Überrascht hat mich die Veranstaltung als solche. Meine Highlights waren vor allem die politischen oder kontrovers diskutierten Vorträge, z.B: Schmitt über Wikileaks, Peter Kruse über die unterschiedlichen Wertemuster der Internetnutzer, Morozov hinterfragt die Twitter-Revolution, Peter Sunde über Flattr, Götz W. Werner über das bedingungslose Grundeinkommen, Blogger/innen aus dem Iran, Indien, Brasilien, Cuba erzählen über die aktuelle politische Situation in ihren Ländern und es gab Diskussionen zum Leistungsschutzrecht. Schade war, dass nach dem sehr unterhaltsamen Auftritt von Jeff Jarvis keine wirklich vertiefende Diskussion stattfand. Blieb ziemlich oberflächlich, genau wie sein Vortrag. Super war auch Alin Coen, die nach dem zweiten Tag ein kleines Konzert gegeben hat.
Peter: Gibt es ein neues Tool oder eine neue Methode, die auf der re:publica vorgestellt wurde und das Du näher kennen lernen möchtest?
Sandra: Der neue Dienst der Pirate-Bay Gründer “flattr” hört sich sehr interessant an und ist sicher einen Blick wert. Es handelt sich um ein Angebot aus dem Bereich des “social micropayments” und versucht wie bereits einige andere Dienste Konsumenten im Netz die Möglichkeit zu geben, sich für Qualitätscontent in Form einer kleinen Gabe zu bedanken. Wie es funktioniert kann man sich hier anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=kwvExIWf_Uc&feature=player_embedded
Was ich mir auch nochmal anschauen werde, ist die iphone App “Worksnug”. Die Applikation liefert die wichtigsten Infos zum mobilen Arbeiten in einer fremden Stadt: Wo gibt es Strom, kostenloses W-Lan, eine erträgliche Geräuschkulisse und nach Möglichkeit noch einen leckeren Kaffee.
Autor: Mit Sandra Rehs sprach unser Berliner Kollege Peter Tscherne